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Eigenstrom: Soll jeder jetzt energieautark werden? – Interview mit Polarstern

Eigenstrom ist in aller Munde, und viele Eigenheimbesitzer leisten damit jetzt schon ihren ganz persönlichen Beitrag zur Energiewende. Es klingt noch immer wie eine schöne Utopie: Energiekonsumenten werden zu Produzenten und machen sich von den großen Lieferanten immer unabhängiger. Statt Kohle oder Atomstrom gibt es ganz lokal produzierten Sonnenstrom. Und das Schöne ist: Mittlerweile ist das Umsteigen auf Eigenstrom gar nicht mehr utopisch, sondern mit den richtigen Anbietern auch ganz einfach machbar, und dabei noch kostensparend! Soll jetzt jeder energieautark werden? Wir fragten es Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern:

Wie wir mit Eigenstrom die persönliche Energiewende vorantreiben können

Was ist eigentlich Eigenstrom?
Der Begriff bezeichnet die eigene Stromversorgung von Einfamilienhäusern über eine Solaranlage auf ihrem Hausdach und einem Stromspeicher, der typischerweise im Keller installiert wird. Damit werden Haushalte unabhängiger von der öffentlichen Stromversorgung und von steigenden Strompreisen. Während Haushalte mit einer Solaranlage im Schnitt rund 30 Prozent ihres Strombedarfs aus eigener Solarstromerzeugung decken, ist es zusammen mit einem Speicher mehr als doppelt so viel.

Für wen rechnet sich die eigene Stromversorgung?
Das kommt gar nicht so sehr auf den Stromverbrauch an, sondern vielmehr auf die verfügbare Dachfläche. Denn je mehr Strom ein Haushalt erzeugt und nutzt, das heißt je unabhängiger er von der öffentlichen Stromversorgung ist, umso schneller rechnen sich seine Investitionen. Bei einem 3- bis 4-Personen-Haushalt mit einer Anlageleistung von 6,5 bis 7,5 Kilowatt Peak und einem Speicher mit 10 Kilowattstunden amortisieren sich die Investitionskosten meist nach 8 bis 10 Jahren.

Kann ich mich auch komplett energieautark machen?
Eine komplette Energieautarkie ist in den meisten Fällen nicht realistisch und finanziell nicht sinnvoll. Denn das erfordert eine sehr große Solaranlage mit vielen Solarmodulen. Die Dachfläche ist hier meist der begrenzende Faktor.

Inwieweit können Smart-Home-Technologien die Energieautarkie unterstützen?
Je vernetzter die Stromversorgung daheim ist, durch Smart Meter und intelligente Elektrogeräte, umso mehr Solarstrom kann ein Haushalt selbst nutzen und umso höher ist seine Unabhängigkeit. Smart Meter messen und visualisieren Stromerzeugung und -verbrauch und ermöglichen es dem Haushalt, beides besser aufeinander abzustimmen und Stromkosten zu sparen.

Was beinhaltet euer Wirklich Eigenstrom-Angebot?
Unser Wirklich Eigenstrom-Angebot ist eine Komplettlösung. Sie besteht aus einer Solaranlage, einem Stromspeicher sowie der restlichen Stromversorgung, falls der selbst erzeugte Solarstrom vom Hausdach einmal nicht ausreicht. Für monatlich 24 Euro sind dafür in unserem Angebot 1.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr sowie ein Smart Meter zum transparenten Messen des erzeugten und verbrauchten Stroms enthalten.

Was passiert, wenn der Himmel bedeckt ist und meine Solaranlage zu wenig Strom erzeugt?
Genau dann springt Polarstern ein. Das heißt, wir beliefern den Kunden im Rahmen des Wirklich Eigenstrom-Angebots mit 100 Prozent Ökostrom aus deutscher Wasserkraft. Der Haushalt wird also immer komplett mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt.

Was ist aus architektonischer Sicht im Moment die schönste Lösung für Solaranlagen?
Bei den Solaranlagen tut sich sehr viel. Es gibt heute verschiedenfarbige Module, so dass sie zum Dach passen. Solarmodule mit klassisch silbernem Rahmen und weißer Rückfolie, genauso wie komplett schwarze Anlagen, also mit schwarzem Rahmen und schwarzer Folie. Auch erste Solar-Dachziegel sind auf den Markt gekommen, aus Ton, Glas oder Kunststoff. Durch die verschiedenen optischen Möglichkeiten lassen sich die Anlagen sehr harmonisch in die Architektur der Gebäude integrieren.

Wie ökologisch nachhaltig sind eigentlich die Solaranlagen und Stromspeicher?
Wichtig ist, wie bei allen Elektrogeräten, dass Solarmodule und Speicher richtig entsorgt und recycelt werden. Nach einer Richtlinie der Europäischen Union (EU), der sogenannten „Waste Electrical an Electronical Equipment Directive“ (WEEE-Richtlinie), sind Hersteller von Solaranlagen verpflichtet, Solarmodule kostenlos zurückzunehmen. Rund 95 Prozent der verbrauchten Materialien für den Bau neuer Anlagen können recycelt werden, sagen Experten. Auch Stromspeicher müssen recycelt werden. Für die heute typischerweise installierten Lithium-Ionen-Speicher besteht per Gesetz eine Rückgabepflicht für Verbraucher sowie eine Rücknahmepflicht für den Handel, Entsorgungsträger, Hersteller und Importeure. Weitere Informationen gibt es unter www.umweltbundesamt.de

Sind Solaranlagen für das Eigenheim heute Mainstream?
Im letzten Jahr wurden laut Bundesverband der Solarwirtschaft rund ein Viertel mehr Solaranlagen auf Eigenheimen installiert als im Vorjahr. Insgesamt sind in Deutschland inzwischen deutlich über 1,5 Millionen Solarstromanlagen installiert. Mehr als jede zweite, neu installierte Solaranlage wird dabei mit einem Stromspeicher kombiniert. Der Bundesverband Energiespeicher schätzt, dass sich in den nächsten drei Jahren die Zahl installierter Stromspeicher in Haushalten und Kleingewerben fast verdreifachen wird. Unterstützt wird die Entwicklung durch die in den letzten Jahren im höheren zweistelligen Bereich gesunkenen Kosten für Solaranlagen und Stromspeicher. Gleichzeitig werden mit der Installation der Anlagen auch Kriterien hoher Förderungen etwa von der KfW erfüllt und so ihre Finanzierung erleichtert.

Was ist das beste Argument, um Skeptiker und Unentschlossene zu überzeugen?
Die eigene Stromerzeugung rechnet sich – finanziell genauso wie ökologisch. Die Kosten für die benötigte Anlagentechnik sind stark gefallen, während die EEG-Einspeisevergütung zwar kontinuierlich sinkt, aber immer noch attraktiv ist. Das heißt, Haushalte profitieren von der eigenen Stromversorgung, die viel günstiger ist als Strom aus dem öffentlichen Netz und sie verdienen gleichzeitig, wenn sie selbst erzeugten Strom ins Stromnetz einspeisen. Je länger Haushalte warten, umso geringer ist diese Einspeisevergütung. Sanierer, Modernisierer und Bauherren sollten außerdem wissen, dass die eigene Stromversorgung oftmals höhere KfW-Förderungen erleichtert und für einige wie beispielsweise für KfW 40 Plus sogar Pflicht ist.

Ich wohne in einer Mietwohnung, wie viele andere Stadtbewohner auch. Was kann ich da machen?
Es gibt immer mehr Mieterstromangebote. Hier werden Mieter und Wohnungseigentümer eines Mehrparteiengebäudes mit Strom aus lokaler Stromerzeugung im Gebäude versorgt. Dazu wird auf dem Dach der Gebäude eine Solaranlage installiert oder im Keller ein Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugt. Der so erzeugte Strom kann über Mieterstromangebote den Mietern angeboten werden. Es gibt hierzu Mieterstrom-Dienstleister, die Rundum-sorglos-Lösungen anbieten, so dass der Aufwand für den Immobilienbesitzer gering ist. Mieter können bei ihrem Vermieter und Gebäudeeigentümer, Mieterstrom anregen. Das Gute daran: Nur wenn alle Beteiligten davon profitieren, funktioniert das Angebot. Damit ist Mieterstrom eine der fairsten Arten der Energieversorgung.

Lilli Greens Fazit

Es gibt viele gute Argumente für Eigenstrom, und Polarstern ist dafür sicherlich ein sehr interessanter Anbieter, weil das Unternehmen ein flexibel gestaltbares Gesamtpaket anbietet, und den eventuellen Restbedarf nur mit echtem Ökostrom deckt. So ist Polarstern beispielsweise beim Wirklich Eigenstrom nicht an den Stromspeicher eines bestimmten Herstellers gebunden, sodass die Kunden das individuell passende Angebot wählen können. Das Unternehmen Polarstern wurde vor einigen Jahren von drei jungen Männer gegründet, mit dem Ziel, ein richtungweisendes Öko-Energieunternehmen zu schaffen, und damit auch die dezentrale Energiewende voranzutreiben. Mit viel Energie scheint das wachsende Polarstern-Team seinen Beitrag an der Energiewende zu leisten: mit “wirklich” meinen sie auch “wirklich”.

Mehr Infos: Wirklich Eigenstrom und Wirklich Mieterstrom

Fotos: Peka Peka House – Architektur: Herriot Melhuish Oneill – Fotograf: Jason Mann

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