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Bambus unter Kritik – ist Geschirr aus Bambusfasern bedenklich oder gut?

Nach einer Welle der Entrüstung in den Medien über Coffee-to-Go-Becher aus Bambus möchten wir dem Geschirr aus Bambusfasern noch einmal auf den Grund gehen. Nicht nur Kunden, sondern auch wir waren erstmal verunsichert: Was ist eigentlich dran an diesen Tests? Auch wir persönlich sind Nutzer der Produkte aus dem Lilli Green Shop und benutzen mit unseren Kindern das Bambusgeschirr.

Vor kurzem hatten wir uns schon mit der Frage befasst, wie gut Geschirr aus Bambusfasern ist, und dazu einen ausführlichen Artikel verfasst. Weil jetzt aber weitere Kritikpunkte des Materials aufgetaucht sind, haben wir uns noch mal grundsätzlicher mit der Frage befasst und kommunizieren hier einige Ergebnisse:

Was wurde jetzt getestet?

In der Kritik von Stiftung Warentest standen Coffee-to-Go-Becher aus Bambusfasern und Melamin von verschiedenen Herstellern. In der Kritik standen vor allem Becher von einigen Discountern und großen Warenhäusern, die in den letzten Jahren schnell auf den Bambustrend aufgesprungen sind und große Mengen an Bambusbechern für möglichst niedrige Kosten in China produzieren haben lassen. Die von uns geführte Marke Ekobo, die ökologische Premiummarke unter den Bambusgeschirr-Herstellern, war übrigens nicht Bestandteil des Tests.

Kritikpunkt 1: Schadstoffe bei Dauererhitzung

In der Berichterstattung geht es im Moment hauptsächlich um die Freisetzung von Schadstoffen. Dies betrifft hauptsächlich Produkte, die bei hohen Temperaturen verwendet werden oder über einen längeren Zeitraum mit heißen Flüssigkeiten in Berührung kommen. Das Ergebnis ist, dass die Migration nur auftritt, wenn heiße Flüssigkeiten (mit einer konstanten Temperatur von über 70 Grad) länger als 2 Stunden mit dem Material in Kontakt kommen. Dies ist selbst bei Coffee-to-go-Bechern nicht der Fall.

Die Thematik mit der Dauer-Erhitzung ist übrigens längst bekannt und wird auch von den von uns geführten Herstellern Zuperzozial und Ekobo / Biobu bei jedem Produkt kommuniziert.

Wir haben übrigens bei Lilli Green aus Vorsicht schon immer ganz auf Coffee-to-go-Becher aus Bambus verzichtet und stattdessen auf Coffee-to-go-Becher aus Glas gesetzt. Beim übrigen Bambusgeschirr sollte das Geschirr bei normalem Gebrauch, soweit wir wissen, nicht schädlich sein. Dies bestätigt auch Stiftung Warentest in dem jetzigen Bericht:

Solange der Kunststoff ordentlich verarbeitet ist und bestimmte Bedingungen beim Gebrauch einge­halten werden, etwa Temperaturen unter 70 Grad Celsius, gehen keine nennens­werten Schad­stoff­mengen in Lebens­mittel über.

– Zitat aus dem Bericht von Stiftung Warentest

Genau das ist die Krux Material aus Bambusfasern. Solange das Material gut verarbeitet ist und keine kochenden Substanzen stundenlang kochend heiß darin konsumiert werden, sollte es ein gutes und sicheres Material sein.

Einige der getesteten Produkte enthielten überwiegend Melamin und nur wenig Bambusfasern. Da zeigt sich auch der Unterschied bei Marken wie Ekobo und Zuperzozial, bei denen nachweislich ein hoher pflanzlicher Anteil enthalten ist. Deshalb gilt bei Bambusgeschirr auch auf den Hersteller zu achten und nicht nur nach Billigware zu greifen.

Geschirr aus bambus - gut oder bedenklich?

Kritikpunkt 2: fehlende Angaben

Ein weiterer Kritikpunkt ist eine „irreführende“ Kennzeichnung. Vor einigen Jahren gab es schon Kritik, dass Angaben bei Geschirr aus Bambusfasern fehlen würden. Die Kritik war damals zum Teil berechtigt und bei einigen Herstellern im Test kann die Kritik womöglich auch begründet sein. Auch bei Zuperzozial wird jetzt die Kennzeichnung bemängelt, vor allem weil die Angabe fehlt, dass dieses Produkt nicht in die Mikrowelle soll. Das ist aber auf jedem Produkt klar gekennzeichnet, was die Tester wohl übersehen haben müssen, da sich direkt auf dem Produkt unter dem Strichcode-Aufkleber eine Kennzeichnung befindet. Hätte Stiftung Warentest den Aufkleber runtergenommen, wäre es sichtbar. Von den Gesundheitsbedenken bei der Benutzung von Mikrowellen generell übrigens mal ganz abgesehen, aber darum geht es hier ja nicht. Wenn beim Testen schon solche einfachen Fehler gemacht werden, wobei klar sein sollte, welche Auswirkungen das für die Unternehmen haben kann, fragt man sich ohnehin, wie seriös die Tests eigentlich sind.

Das Argument mit den Kratzern

Ein Argument von der Verbraucherzentrale Hamburg gegen Bambusgeschirr zielt darauf ab, Bambusgeschirr nicht zu verwenden, weil der Melaminharz-Anteil sich durch Schürfen und Kratzen lösen könnte. Dieses Statement ist übrigens kein Bestandteil des Tests von Stiftung Warentest.

Wir möchten jetzt dazu erstmal weitere Tests abwarten, aber halten diese Aussage für eher theoretisch und übertrieben, weil dies dann eben auf anderes Material ebenso zutrifft: Was ist zum Beispiel mit Plastikgeschirr? Was mit der Gesundheit bei Geschirr aus Keramik, Emaille oder Metall, wenn sich dort schon etwas gelöst hat, gerostet oder abgebrochen ist?

Das Bambus-Geschirr, das wir bei Lilli Green verkaufen, ist relativ robust, wenn auch nicht unzerstörbar. Wenn es mal gebrochen ist, sollte man es aus Sicherheitsgründen selbstverständlich nicht mehr benutzen. Dies gilt aber genauso auch für andere Materialien.

Die Verbraucherzentralen stellen sich jetzt gegen Geschirr aus Bambus, fordern sogar ein Verbot und empfehlen den Verbrauchern gleichzeitig Plastikbecher als Alternative. Da freut sich bestimmt die Plastikindustrie. Übrigens haben Tests bei Einweg-Coffee-to-go-Bechern immer wieder Schadstoffe festgestellt, ohne dass es eine so breite Medienwelle der Entrüstung gab und auch ohne Aufrufe der Verbraucherzentralen, Einweg-Becher zu verbieten.

Ekobo: überzeugende Testergebnisse bei SGS

Warum die Coffee-to-go-Becher von Ekobo kein Bestandteil des Tests von Stiftung Warentest sind, hat uns etwas gewundert. Auch wenn wir die Becher selbst nicht führen, gilt doch Ekobo als eine der Pioniere des Bambusfaser-Materials.

Ekobo selbst hat das Material vom angesehen Schweizer Testinstitut SGS testen lassen, mit sehr überzeugenden Positivergebnissen. Nach der Medienwelle erfolgt jetzt noch ein erneuter, kompletter LFGB-Test beim TÜV. Wir werden berichten, sobald es hierüber weitere Infos gibt.

Zuperzozial – von TÜV Reinland getestet

Alle Zuperzozial-Produktionscharges werden vom TÜV Rheinland kontrolliert, damit gewährleistet das Unternehmen eine konstante Qualität ihrer Produkte. Die Produkte sind nach den europäischen Normen und Gesetzen zugelassen und zertifiziert inkl. den LFGB-Standards für Deutschland. Zur Verhinderung dass gesundheitsgefährdende Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen, hat die EU Grenzwerte festgelegt. Die Spezifikationen sind in den EU-Normen 10/2011 und 1935/2004 zusammengefasst. Jede Zuperzozial Produktionscharge wird nach diesen Standards getestet. Zuperzozial hat die Testberichte im Netz zur Verfügung gestellt.

Fazit und Empfehlungen zu Bambusgeschirr

Bambusgeschirr kann bedenklich oder unbedenklich sein – folgende Punkte sollten Sie beachten:

1. Auf den Hersteller kommt es an!

Kaufen Sie nur Geschirr aus Bambusfasern von Herstellern und Händlern, die vertrauenswürdig sind, ökologisch und sozial gerecht produzieren – verzichten Sie auf Billigware.

2. Vorsichtiger und normgerechter Umgang mit dem Material

Solange ein Geschirr aus Bambusfasern normal benutzt wird und die Angaben von den Herstellern dazu befolgt werden, sollte das Material sicher sein.

3. Keine kochende Flüssigkeiten verwenden!

Passen Sie auf, keine Flüssigkeiten über 70 Grad zu verwenden. Wir empfehlen zur Sicherheit, bessere Alternativen für wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher zu wählen, zum Beispiel die Coffee-to-go-Becher aus Glas von Keepcup.

Über eventuelle Neuigkeiten und Testergebnisse werden wir im Lilli Green Magazin berichten.

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