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greenbottle: Papier + Folie = Flasche

 „Was habt ihr denn gerade so auf der Müllhalde?“ fragte der Ingenieur Martin Myerscough auf einem Spaziergang einen Arbeiter auf einer Mülldeponie. – „Milchflaschen“, antwortete dieser, „und wenn die Deckel noch drauf sind, können wir sie nicht mal mit dem Bulldozer plattmachen und haben dann die Luft in der Deponie…“

In England gehört Milch zu den meist konsumierten Waren überhaupt. Die dort verwendeten 2l-Plastikflaschen landen nach Gebrauch zu 80% auf der Müllhalde.

Der Ingenieur Myerscough ging, in Gedanken versunken, heim. Einige intensive  Nachforschungen später  hatte der Erfinder aus Suffolk die erschreckenden Zahlen über die üblichen 2l-Plastikflaschen auf dem Tisch:  Allein in Großbritannien werden 5 Millionen Tonnen Kunststoff jährlich verbraucht. Die jährlich geleerten Milchflaschen würden über 50 mal die Royal Albert Hall füllen. Außerdem machen die steigenden Preise für Rohöl die HDPolyethylen-Blaslinge immer teurer.

Die Konstruktion des Flaschenkörpers ist zwar für die Verbraucher bequem, doch führt sie auf der Deponie dazu, dass die Flaschen mit geschlossenem Deckel nahezu unverwüstlich sind – und erst nach 500 Jahren auf der Deponie anfangen, zu verrotten. Da kam eines Tages der Sohn mit einer Bastelarbeit aus Pappmaché nach Hause – und eine gute Idee nahm ihren Weg.

Die Erfindung einer neuen, umweltfreundlichen Flasche, der Greenbottle wurde geboren: einen Aussenkörper aus Recycling-Pappmaché (ähnlich eines Eierkartons), der einen losen Beutel aus Kunststoff als Milch-Tank enthält. Knifflig waren Verschluss, Rohstoffkreisläufe und Abfüllprozess, der beispielsweise lange nicht so schnell ablaufen kann wie mit den Plastikflaschen, doch die derzeitige Version der Greenbottle ist schon ziemlich gut. Myerscough fand eine kooperierende Molkerei und seit Sommer 2009 ist die Flasche auf dem lokalen Markt.

Der Entwurf löst eines der drängensten britischen Müll-Probleme und ist ein schönes Beispiel für „think global – act local“. Denn gerade in Großbritannien gibt es wenig funktionierende Recyclingsysteme, der meiste Müll landet auf Deponien. Tetrapaks, die immer als optimale Getränkeverpackung gepriesen werden, enthalten im Vergleich mit der Greenbottle fest verschweißtes Aluminium und müssen ausnahmslos zum Recycling auf den europäischen Kontinent verschifft werden.

Wohingegen das Recycling der Greenbottle-Komponenten schon im Haushalt der Käufer in Beutel und Außenschale sortiert wird. Auf der Deponie macht sich die Flasche flach und zerfällt innerhalb weniger Jahre. Und die Verpackung verbraucht in der Herstellung nur einen Bruchteil der Energie, die die Fertigung der Konkurrenzprodukte kostet.

Erfinder Myerscough hat viel gelernt, nämlich, das Milch als Produkt in enger Zusammenarbeit mit Molkereien und Abfüllern gedacht werden muss. Meist werden nämlich mit einer neuen Verpackung auch neue Maschinen, Prozesse und Rohstoff-Flüsse gebraucht. Die Käufer sind laut Greenbottle ziemlich leicht zu überzeugen, auf die nachhaltige Lösung umzusteigen, denn auch sie sind „plastikmüde“. Greenbottle ist hoffentlich der Anfang vieler  Verpackungsmöglichkeiten, die nach dem System Innenbeutel und Außenschale funktionieren, wie wäre es zum Beispiel mit Saft, Waschmittel oder Shampoo?

Autor: Birgit S. Bauer ist Autorin und Herausgeberin der Diskurs-Plattform designkritik,
die sich für die Vermittlung von Designtheorie und -kritik stark macht

Durstig geworden? Lese dann jetzt über die Produktion der Soulbottles!

2 Comments

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