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Bio-Mode: Warum das grüne Statement so anziehend ist

Strauch für Strauch arbeitet sich der Pflücker auf der Plantage langsam voran. Von den Ästen zupft er die weiße Pracht, die dazu bestimmt ist, eines Tages in textiler Form unsere Haut zu umschmeicheln…

Gern würde man diesen blütenreinen Traum textiler Enstehungsgeschichte in den Shoppingbeutel einpacken – hinzu zu dem neu erworbenen Kleidungsstück aus Baumwolle. Doch wie es das Dilemma von Träumen will: Die Ernüchterung der Realität lauert meist schon an der nächsten Ecke.

Widerstand der synthetischen Versuchung

Baumwolle: Wer sich für ein Produkt aus der Jahrtausende alten Kulturpflanze entscheidet, hat  durchaus Grund zu dem Hochgefühl, der Massenindustrie ein Schnippchen geschlagen zu haben. Schließlich lauert die synthetische Versuchung an jeder Kleiderstange. Billig und in Mengen unerschöpflich herstellbar, ist sie der ideale Baustein für die vom Profit regierte Textilindustrie.

Doch Synthetik kommt zunehmend aus der Mode. Was als Revolution begann, wird heute zunehmend als ungesund geschmäht: Synthetik lässt keine Luft an die Haut und den Träger schneller schwitzen. Allen inzwischen verfeinerten Technologien zum Trotz – auch in puncto Tragekomfort bleibt die Naturfaser ihrer künstlichen Schwester um mindestens eine Nasenlänge voraus.

Spätestens als bekannt wurde, wie sehr die Synthetik-Fabriken Luft und Wasser mit ihren Abfallprodukten belasten, war das Image von Polyester und Co. schwarz gefärbt – und die grünen Alternativen wieder angesagt.

Wer sich seither auf die Pirsch nach Naturfaser-Mode gemacht hat, dürfte positiv überrascht worden sein: Im Verlauf der Jahre schossen die Baumwoll-Prozentangaben in den Etikettierungen in die Höhe. Offensichtlich hatte der Markt das Signal verstanden.

Die ungeschönte Wahrheit des Baumwoll-Märchens

Was beim Baumwoll-Kauf als schönes Märchen von Umweltschutz und naturverbundener Mode begann, landet in den meisten Fällen auf dem harten Boden der Produktionsrealität. So hat die blütenreine Phantasie eines naturbelassenen Materials, das von Hand gepflückt den Weg in unsere T-Shirts oder Röcke findet, mit der wahren Baumwoll-Produktion wenig zu tun: In der Branche ist schon lange nichts mehr blütenrein – noch nicht einmal die frisch gesetzte Baumwoll-Pflanze.

Der Grund: Angesichts der immens hohen Nachfrage sollen die Pflanzen möglichst schnell hochgezüchtet werden. Kunstdünger und Pestizide sind somit Stammgäste auf den Plantagen – ganz im Gegensatz zu menschlichen Arbeitern. Deren Arbeit, das Pflücken, haben längst Maschinen übernommen. Zwar erspart das den Händlern das Aushändigen einiger Lohnchecks, doch am Ende zahlt auch hier wieder einer: die Natur. Damit nämlich die Baumwolle maschinell von den Sträuchern eingesammelt werden kann, werden im Vorfeld chemische Entlaubungsmittel eingesetzt. Chemie und Maschinenabgase – von der ursprünglichen Idee, mit dem Kauf der Baumwolle der Natur Gutes zu tun, bleibt oft nur die gute Absicht des Käufers.

So kommt der Traum dennoch in die Tüte

Grund, verzagt den Kopf in den Fashion-Treibsand zu stecken, besteht allerdings nicht. In der Tat hat der Konsument die Wahl, den eingangs geschilderten Traum für sich Realität werden zu lassen. Der Schlüssel dazu: das Bio-Siegel.

Kleidungsstücke, die selbiges tragen, haben eine garantiert blütenreine Weste. So wird beim Bio-Anbau strikt auf den Einsatz chemischer Mittel verzichtet. Auch beim Pflücken heißt es „back to the roots“: Hier arbeitet sich tatsächlich noch eine menschliche Hand von Strauch zu Strauch. Das sorgsame Pflücken per Hand lässt chemische Entlaubungsmittel überflüssig werden und sorgt darüber hinaus dafür, dass die Baumwolle von vornherein weniger verunreinigt – und daher nicht nur im übertragenen Sinne „reiner“ ist.

Der Preis des Traums

Wie bei allem im Leben gibt es aber auch bei der Bio-Medaille eine Kehrseite – die sich in diesem Fall auf dem Preisschild bemerkbar macht. Optimale Umweltverträglichkeit und Tragekomfort sind Qualitäten, die entsprechend bezahlt werden wollen. Ehe man nun besorgt seine Finanz-Spürnase kräuselt, sei an dieser Stelle Entwarnung gegeben: Allzu tiefe Löcher gräbt die Bio-Mode längst nicht mehr in das Shopping-Etat.

Ohnehin zahlt sich die Investition von ganz alleine aus – spätestens, wenn selbst nach mehrmaligem Waschen das Kleidungsstück seine originale Qualität beweist.

Das ultimative Fashion-Statement

Abseits aller Nutzen-Kosten-Rechnungen kommt bei der Kaufentscheidung jedoch auch noch etwas ins Spiel, das zu den tief verwurzelten Geheimnissen der Modehistorie gehört: Kleidung ist seit jeher nicht nur Schutz vor Nacktheit oder Kälte, sondern immer auch ein Statement. Das war bereits im alten Ägypten so, als die Pharaonen mit ihrem imposanten Kopfschmuck ihre herrscherliche Macht beweisen wollten – und es war noch in den 1970er Jahren so, als die Punker über das Auftragen von Nieten und Leder ihre Gesellschaftsrevolution definierten. Der Zeitgeist spiegelte sich auch immer in den Kleiderschränken wieder.

Gerade in der liberalen Welt der Neuzeit darf sich jeder austoben und mit Hilfe von Mode bekennen: Das bin ich – oder so will ich sein. In der Bio-Mode findet das Fashion-Statement einen starken Partner. Denn neben Farben, Formen und Trends hat auch das Kleidungsmaterial das Zeug dazu, seinen Träger zu definieren. Wer bewusst auf die Fasern auf seiner Haut achtet, zeigt seine Wertschätzung – sich selbst gegenüber, aber auch gegenüber der globalen Gesundheit.

Den Stempel des Batik-Tuch- und Filzschlappen-Liebhabers muss man derweil längst nicht mehr fürchten: Bio-Mode ist mitten im aktuellen Fashion-Karussell angekommen und dreht sich mit den unterschiedlichsten Design und Innovationen unaufhaltsam in Richtung Zukunft. Stil und Individualität bleiben also mitnichten auf der Strecke.

Bio-Mode shoppen leicht gemacht

Allein die Tatsache, dass einem Bio-Mode in immer mehr Shops entgegensprießt, spricht dafür, dass der Trend in voller Blüte steht. Tatsächlich ist mangelnde Verfügbarkeit kein Hinderungsgrund mehr, in Sachen Kleidershopping auf Grün umzuschalten. Wer in ländlichen Regionen mit einem eingeschränkten Sortiment gestraft ist oder als Stadtmensch im Angebots-Dschungel verloren geht, kann über das Internet ganz leicht Zugang zu Bio-Kleidung finden. Sogar lang etablierte Versandhändler wie zum Beispiel Witt Weiden verfügen längst über ein mehr als breites Sortiment.

 

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