Design Eco-Fashion Interviews

LOVECO – Vegane Mode mit Zeitgeist und Stil

LOVECO ist Berlins größter veganer Eco Fashion Store in Berlin Friedrichshain. Seit diesem Jahr gibt es unter www.loveco-shop.de außerdem einen Online-Shop mit einer Auswahl an stilvollen und nachhaltig produzierten Modeprodukten. Lilli Green sprach mit Christina Wille, Gründerin von LOVECO, über Trends, zeitlose Lieblingsteile und Neuentwicklungen in der veganen Mode. Und exklusiv für Lilli Green Fans gibt es bis Jahresende 10% Rabatt im LOVECO Online-Shop! Einfach beim bestellen den Code „10LILLYGREENLOVECO“ eingeben.

Aus welcher Motivation hast Du Dich entschieden, LOVECO zu gründen?

Ich habe mich schon während des Studiums ausgiebig mit den Folgen der Textilproduktion beschäftigt und anschließend in verschiedenen Stationen mehr und mehr darüber gelernt. Irgendwann brauchte ich eine neue Herausforderung und habe gemerkt, wie viel Nachfrage es nach sozial und ökologisch korrekt produzierter Bekleidung gab, aber wie wenig Angebot da war. Außerdem wollte ich zeigen, dass ethisch korrekte Kleidung konventioneller in nichts nachsteht und sie erschwinglicher ist, als viele Leute heute noch denken.

Bei LOVECO ist alles ökologisch, fair und vegan produziert. Was bedeuten die Kriterien für Euch?

Für uns bedeutet das ganz konkret, dass weder Menschen noch Tiere, noch die Umwelt für die Kleidung leiden mussten. Das bezieht sich sowohl auf die Herstellung der Rohstoffe als auch auf ihre Verarbeitung. So muss die Baumwolle beispielsweise aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, damit die Natur nicht mit Pestiziden belastet wird. Vegane Kleidung verzichtet eben auf jegliche tierischen Materialien: Leder, Wolle, Daunen, Perlmutt, Seide, etc. Dafür gibt es bereits ​viele pflanzliche Alternativen​. Fairness gegenüber den Menschen, die am Anbau und an der Verarbeitung beteiligt sind, ist uns ebenso wichtig. Das bedeutet ganz klar: Keine Kinderarbeit, faire Löhne, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen.

Worauf sollen Konsumenten alles achten, wenn sie ökologische, faire und vegane Mode kaufen wollen?

Wir achten bei der Auswahl der Kleidung, die wir verkaufen, auf die höchsten sozialen und ökologischen Standards und das ist meist auch ein guter Hinweis und Vertrauenspunkt für Konsumenten. Wir arbeiten mit dem ​GOTS (Global Organic Textile Standard), der entlang der gesamten Produktionskette ökologische Kriterien überwacht, sowie mit Siegeln wie dem “FWF” (Fair Wear Foundation).​ Sie wacht über die Einhaltung sozialer Standards. Außerdem suchen wir ausschließlich rein vegane Produkte aus dem Sortiment der Brands aus.

Nicht alle Labels können sich eine komplette Zertifizierung leisten. Manchmal werden “nur” die Materialien durch den GOTS überwacht, aber wenn ich weiß, dass bspw. in Polen produziert wird und die GründerInnen die Inhaber der Näherei kennen und nach dem Rechten sehen, dann kann ich damit leben. Das ist häufig eine Geldfrage, Zertifizierungen sind sehr preisintensiv. Wir lernen generell die Menschen, die hinter den Brands stehen, in den meisten Fällen persönlich auf den Messen kennen. Dabei merkt man schnell, ob es ein “Auf­-den­-Zug­-mit­-aufspringen” ist, oder ernst gemeintes Engagement.

Auf welche nachhaltige Materialien setzt Du?

Wir verkaufen vorwiegend Biobaumwolle. Der Chemiker, bei dem ich gelernt habe, Norbert Henzel, sagt immer wieder: Jede Naturfaser ist besser als eine Chemiefaser. Trotzdem setzen wir auch auf bspw. ​Tencel,​ was aus Eukalyptus hergestellt wird. Dieses Material ist atmungsaktiver als reine Baumwolle und gerade im Sommer wirkt es kühlend. Damit spart man sicher wieder den ein oder anderen Waschgang, was auch nachhaltig ist. Außerdem wird Tencel in einem Kreislaufsystem hergestellt, bei dem wenig Energie und Wasser verbraucht werden.

Hinter vielen Euer Marken stehen ganz engagierte Produktionsprojekte. Welches gefällt Dir besonders?

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist ​GLIMPSE​. Nathalie Schaller ist eine wahnsinnig engagierte Frau, die in Indien mit Frauen arbeitet, die aus dem Menschenhandel gerettet wurden. Ihnen wird das Nähen, aber auch Englisch und Mathematik beigebracht, um ihnen ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das ist eines von vielen tollen Projekten, die wir unterstützenswert finden.

 Welche Marken trägst Du selber gerne?

Ich persönlich bin ein großer Fan von Kings of Indigo -­ KOI. Sie bieten sehr skandinavisch minimalistische Schnitte und verarbeiten dabei tolle Materialien.

Welche Marken­ und Stil­-Tipps hast Du für die Frauen?

Kleidet Euch so, dass Ihr Euch wohlfühlt! Nichts macht weniger Sinn als ein Kleidungsstück, das sich nicht ganz nach Euch anfühlt. Wer es kühl und trotzdem ausgefallen mag, der sollte sich ​CUS anschauen. Ein kleines spanisches Label. Wer es blumig mag, wird gerade bei bördshört diese Saison fündig. Es sind gerade tolle Sweater, Kleider und Zipper mit einzigartigem Blumenprint eingetroffen.

… und welche für die Männer?

Für die Männer empfehlen wir nach wie vor ​Knowledge Cotton Apparel.​ Sie machen einfach die schönsten Männerhemden, klassische Chinos und bieten damit einen schlichten und eleganten Stil. Absolut bürotauglich, wie wir finden. Aber ebenso überwältigend sind recolution mit ihrer neuen Strickware für den Winter. Wer etwa einen dicken warmen ​Troyer sucht, der wird bei uns fündig. Bald kommt noch Solstice ins Sortiment. Ein junger schweizer Designer, auf dessen Stil wir uns besonders freuen. Da haben wir dann auch etwas für den Design­Liebhaber dabei.

Jetzt geht die Herbst­-Winter­-Saison wieder los. Was habt ihr für die kältere Jahreszeiten im Assortiment?

Wir versuchen alle Bereiche abzudecken. Von der Unterwäsche bis zur ​Winterjacke.​ Gerade in diesem Bereich kommt gerade viel tolle Ware, die uns gut durch den Winter bringen wird. Besonders mag ich einen ​Wintermantel von Studio Jux (sie arbeiten in Nepal, wo sie ihre eigene Produktionsstätte haben und so die Produktion überwachen können). Er ist mit recyceltem Polyester gefüttert und wunderbar warm! Außerdem haben wir ​tolle Winterpullis von Lanius​ im Sortiment aus reiner Biobaumwolle. Auch die sind wundervoll für den Winter!

Kann (und soll die nachhaltige Mode bei Style, Design und Trends immer mithalten?

Nein! Ich biete viel zeitlose Mode an, die man auch gut in drei oder zehn Jahren noch tragen kann. Ich bin selbst ein großer Verfechter von Lieblingsteilen. Einmal gefunden, trage ich sie, bis sie mir buchstäblich vom Leibe fallen. Natürlich gibt es auch mal sehr trendige Styles, wie ​Overalls​. Wie lange dieser Trend anhält, weiß ich nicht. Aber ich denke, wer schon mehr für seine Kleidung ausgibt, macht sich auch sehr bewusst, ob er die Sachen lange tragen wird.

Welche Trends siehst Du, wenn es um nachhaltige Mode geht?

Ich bin froh, dass wir einen hohen qualitativen Standard einhalten können. Es gibt nur wenige Reklamationen. Das ist ein guter Trend, der nicht zu unterschätzen ist.
Und in Richtung Mode gedacht: Ich sehe für den Herbst tolle Rostrot-­Töne und ein herrliches Waldgrün. Das sind tatsächlich Trendfarben für den Herbst, die aber nicht automatisch nächsten Winter out wären. Vielleicht sind sie nächstes Jahr nicht mehr bei den großen Modeketten in den Schaufenstern. Aber tragen kann man sie trotzdem, weil sie schlicht genug sind, Trends zu überstehen.

Wie ist die Entwicklung bei veganer Mode? Welche veganen Materialien sind im Kommen?

Besonders gespannt bin ich auf Ananas­Leder. Hiermit experimentieren die ersten Labels. Gerade als Alternative für Schuhe wäre das eine tolle Entwicklung, wenn wir es schaffen, aus Abfällen ein neues Material herzustellen. Gerade bei Leder ist das bisher schwierig, weil die meisten Ersatzmaterialien aus Erdöl bestehen.

Ihr habt ein Laden in Berlin­-Friedrichshain und einen Online­-Shop. Welche Produkte verkauft Ihr besonders gut im Online­Shop, welche eher im Laden?

Im Laden verkaufen wir sehr viel Kleider, Blusen und Röcke. Hier wird oft nach einem besonderen Teil Ausschau gehalten. Im Online­-Shop wird bisher Basic-lastiger eingekauft. Wir verkaufen viele Hosen und T-­Shirts. Aber unsere Auswahl wächst gerade und ich bin sehr gespannt, wie die neue Herbstware angenommen wird!

Wer immer noch konventionelle Mode kauft, sollte mit diesem Argument zu Euch kommen:

Jeder sollte sich über seinen Einfluss in der Welt bewusst sein. Konventionelle Mode zu kaufen hat eine sehr schmutzige Seite, die auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt geht. Das muss sich ändern und wir zeigen Euch, dass es weder viel teurer ist, ethisch korrekt einzukaufen, noch, dass Ihr auf irgendetwas verzichten müsst!

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