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Fließwasserkraftwerke – dezentrale Energieproduktion der Zukunft

Mit einem Anteil von 4% an der gesamten Energieproduktion ist die Wasserkraft die zweitwichtigste alternative Energiequelle. Im Bericht des WEC aus dem Jahre 2007 wird das gesamte globale Potenzial der Wasserkraft mit 16.000 TWh pro Jahr angegeben, ein Wert der mit den aktuell installierten Anlagen bei weitem nicht erreicht wird. Die Gründe sind vielfältig. So ist der Bau großer Stauwerke meist mit erheblichen Eingriffen in die Natur und der Umlegung ganzer Flussläufe verbunden. Eine Alternative sind Fließwasserkraftwerke, die ohne großen Aufwand in einer Vielzahl fließender Gewässer installiert werden könnten. Mit der steigenden Bedeutung der dezentralen Energieproduktion für den Energiemix der Zukunft rücken nun immer mehr Hersteller und Wissenschaftler mit neuen Lösungen zu Fließwasserkraftwerken auf den Markt. Und auch einige Designer sind dabei, die vielfach den Einsatzzweck von Kleinstenergieanlagen im täglichen Gebrauch testen.

Ein Beleg für den Trend ist die Fließwasserturbine des Herstellers Emo Wa aus Dresden mit einer Stromleistung zwischen 0,5-300 kW. Sie wird im Flussbett verankert und hat daher weder negativen Einfluss auf den Fischbestand noch auf die Schifffahrt. Emo Wa kalkuliert eine Amortisierungsdauer von 4-7 Jahren, so dass der wirtschaftliche Betrieb bei einem geringen Investitionsrisiko gegeben ist. Ein Designentwurf, der im Zusammenhang mit Fließwasserkraftwerken bekannt geworden ist, ist die portable Fließwasserturbine „Vena Microhydro System“ des australischen Designers Daniel Hüll. Das System kann einfach im Rucksack transportiert werden und lässt sich zur Energieproduktion in ein fließendes Gewässer positionieren. Es ist insbesondere für die Stromversorgung bei Outdoor-Aktivitäten geacht.

Einen außergewöhnlichen Weg verfolgen die Wissenschaftler um Prof. Lawerenz im Projekt oWing an der Universität Kassel. Das Antriebsprinzip und die Kinematik von Vögel und Fischen wird analysiert und auf einen durch Fließwasser bewegten Flügel übertragen. Die oszillierende Bewegung wird dann in eine kontinuierliche Drehbewegung transformiert und zum Antrieb eines Generators genutzt. Wer mehr über das Projekt und die Potenziale von Fließwasserkraftwerken wissen will, der hat Ende Mai in der Messe Frankfurt  Gelegenheit dazu. Prof. Lawerenz wird am 24. Mai 2012 anlässlich der Konferenz „Materialien für neue Energien“ im Begleitprogramm der Messe „SmartEnergyMarkets“ die Inhalte des Projekts vorstellen und die Potenziale von Fließwasserkraftwerken im Kontext erneuerbarer Energiequellen einordnen.

weiterführende Links:

www.hessen-nanotech.de
www.emowa.eu
www.uni.kassel.de
www.sem-expo.de

[Autor: Dr. Sascha Peters ist Gründer und Inhaber von HAUTE INNOVATION – Agentur für Material und Technologie aus Berlin. www.haute-innovation.com]

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4 Kommentare zu Fließwasserkraftwerke – dezentrale Energieproduktion der Zukunft

  1. Claas S. 02/04/2013 at #

    Hat EON nicht bereits ein Gezeitenkraftwerk im Einsatz?

  2. Dr.Nenad Habek 05/05/2012 at #

    Es soll das erste fischökologische Laufwasserkraftwerk der Welt werden, das in wenigen Monaten in Deutschland in Betrieb gehen wird. Die Kegelturbine ist das erste Kraftwerk, mit dem man gleichzeitig die Gesamtheit der künstlichen und natürlichen Fließgewässer der Erde energetisch ausnutzen kann.

    www-habek-wasserkraftwerke.de

  3. DanielB 16/02/2012 at #

    Wenn nun wirklich jeder mit so einem kleinen Kraftwerk umher rennt, wie wirkt sich dies auf die Natur aus? Tobias hat es ja schon angesprochen und nannte die Fließgeschwindigkeit des Wassers. So etwas kann unter Umständen große Auswirkungen haben.

    Was mich auch noch interessiert ist die Frage, wie werden die Tiere darauf reagieren?

  4. Tobias 06/02/2012 at #

    Die Energie gibt es auch hier nicht umsonst, sondern wird der Fließgeschwindigkeit entnommen. D.h. das Wasser fließt entsprechend langsamer, es hat also Auswirkungen.

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