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Umweltdrucker durch und durch

Umweltdrucker gibt es noch nicht sehr viele in Deutschland. Dennoch bemühen sich manche Betriebe, ihre „schwarze Kunst“ nachhaltig auszuüben. Ein Pionier der ersten Stunde ist Matthias Simon von Print Pool. Print Pool ist langjähriger Druckpartner von Lilli Green und zeichnet sich durch einen ganzheitlichen Ansatz und durch eine besonders nette, persönliche Betreuung aus. Wie Simon zum ökologischen Drucken kam und welche Chancen und Probleme es auf dem Markt gibt, haben wir herausgefunden.

Umweltdrucker mit Geschichte und Zertifikat

Bereits 1996 suchte Print Pool die Abgrenzung zu anderen Druckereien. Das war zu einer Zeit, in der Nachhaltigkeit noch überhaupt gar nicht mit Druckereien in Verbindung gebracht wurde. Matthias Simon entdeckte das Material für seinen Zweck. Damals gab es ganz neu auf dem Markt das Eukalyptuspapier, für dessen Herstellung kein einziger Baum gefällt werden muss. Die Idee hatte Erfolg, die Umweltdrucker erhielten bald internationale Anfragen. Mittlerweile verwendet Print Pool ausschließlich ökologische Materialien und bewerkstelligt den gesamten Produktionsprozess nachhaltig. Das Unternehmen ist seit 10 Jahren FSC zertifiziert, wurde mehrfach als Greenbrand ausgezeichnet und 2018 zum Drucker des Jahres in der Kategorie Nachhaltigkeit gewählt.

Umweltdrucker Matthias Simon
Matthias Simon, Gründer von Print Pool

Recyclingpapier vs Frischfaser

FSC zertifizierte Papiere garantieren eine nachhaltige Forstwirtschaft. Nachhaltig bedeutet, dass das, was dem Wald entnommen wird, auch wiederaufgeforstet wird. Dadurch vermeidet man Flächenrodungen. Umweltdrucker und Interessierte können jederzeit nachvollziehen, woher die einzelnen Bestandteile des Zellstoffs stammen.
Wer ökologisch drucken möchte, muss im Betrieb eine physikalische Trennung vornehmen. Das heißt, dass er zertifizierte und konventionelle Materialien nicht vermischen darf.
Der Recyclingkreislauf ist zwar nachhaltig, kostet aber Geld: Das Material wird eingesammelt, sortiert und aufbereitet. Etwa 10 – 15 % ist Recyclingpapier teurer als Frischfasermaterial. Deswegen lassen viele Betriebe lieber Bäume abholzen, als auf die Wiederverwertung des Materials zu setzen. Und: Recyclingpapier hat eine spezielle Farbe und Oberflächenstruktur. Diese eignet sich nicht für alle Produkte.

Wichtigkeit von Biodruckfarben

Biodruckfarben enthalten kein Mineralöl. Da Mineralöl eine begrenzte Ressource ist, leisten Umweltdrucker mit der Verwendung von Biodruckfarben einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unseres Planeten. Das Gute ist: Es ist gar nicht notwendig, Farben mit Mineralöl zu verwenden. Pflanzliche Öle, die aus Rinden und Mulch bestehen, können das Mineralöl problemlos ersetzen. Einziger Nachteil: Biodruckfaben sind teurer als konventionelle Farben, weil sie einfach seltener verwendet werden. Würden mehr Druckereien Biofarben verwenden, würde der Preis sinken.

Die Umgebung des Umweltdruckers Print Pool: das Taunusgebirge

Ökologisch Drucken: ein ganzheitlicher Ansatz

Für Print Pool bedeutet ökologisch Drucken mehr als nur der Druckprozess. Die Umweltdrucker verfolgen ein ganzheitliches Konzept. Sie beziehen Strom aus regenerativen Energien. Soweit es möglich ist, gestalten sie die Herstellung der Druckplatten ohne Chemie (prozesslose Druckplattenherstellung) und verwenden stattdessen Wasser. Print Pool verwendet ausschließlich FSC Papier. Im Druckprozess selbst verwenden die Umweltdrucker von Print Pool keinen Isopropylalkohol mehr, dafür jedoch mineralölfreie Druckfarben auf Pflanzenbasis. Außerdem kommen keine zusätzlichen Chemikalien zum Einsatz. Dadurch entfällt der typische Druckereigeruch, der normalerweise den Drucksachen entweicht und die direkte Umwelt belastet. Zudem versendet das Unternehmen seine Waren klimaneutral mit Gogreen. Und bei Print Pool kommen nur vegane Bindemittel zum Einsatz.

Tierfreie Druckprodukte?

Normalerweise enthalten Bindemittel Gelatine, Knochenleim und andere tierische Substanzen. Die Umweltdrucker bei Print Pool verwenden ausschließlich vegane Materialien. Dennoch meint Matthias Simon, man könne nicht von veganen Büchern und Druckprodukten sprechen. Der Grund: Bei der Zellstoffproduktion können sich Ameisen, Käfer oder Raupen irgendwie ins Papier verirren und somit bei der Verarbeitung als unbeabsichtigte Fleischbeilage dienen. Also ist der Herstellungsprozess zwar nachhaltig, aber nicht garantiert zu 100 % tierfrei.

Ausblick: Umweltdrucker und Zukunft

In Deutschland gibt es etwa 6000 Druckereien. Davon produzieren etwa 10 bis 15 mehr oder weniger nachhaltig, und nur etwa 5 % verwenden mineralölfreie Druckfarben. Ökologisches Drucken ist aufwendig und teuer: Zertifizierungen kosten Geld, und auch die Kosten für Materialien sind teurer als beim konventionellen Druck. Umweltdrucker müssen brennen für ihre Mission. So wie es das Team um Matthias Simon tut.

Weitere Infos bei Print Pool

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