Design Eco-Fashion Materialien

Die 5 spannendste Zukunftsstoffe der Berlin Fashion Week

Fashion Week, war da was? Obwohl sich viele Brands und Designer das Thema Nachhaltigkeit nach wie vor nicht wirklich zu Herzen nehmen, hat die Nachhaltigkeit sich dennoch einen festen Platz auf den Messen und Schauen der Berlin Fashion Week erobert, und das Thema gewinnt immer noch an Bedeutung. Berlin ist mittlerweile als internationale Hauptstadt der nachhaltigen Mode bekannt, und einige behaupten sogar, dass nachhaltige Mode jetzt bald Mainstream wird. Bis dahin ist es leider noch ein langer Weg, aber wenn man die Qualität und die Designs der nachhaltig produzierenden Marken in Berlin anschaut, gibt es durchaus Hoffnung!

Kreislauffähige Mode

Das Thema Kreislaufwirtschaft ist auch in der Mode angekommen, obwohl das Konzept der Kreislauffähigkeit eigentlich gar nicht mit der Fast-Fashion-Kultur zusammenpasst. Einige Labels haben „Circular Design“ als Teil ihrer Marken- und Designphilosophie etabliert, wie die Designerin Ina Budde mit ihrem Label „Design for Circularity“, die Jeansmarke „Mud Jeans“ oder das niederländische Designerlabel „loop a life“. Auch einige große Brands bemühen sich, sich dem Thema anzunähern, auch weil es aus ökonomischer Sicht für die Unternehmen durchaus Potential haben kann. Altkleidung und Textilmüll werden mehr und mehr zu wertvollem Rohstoff, und das haben nicht nur die Idealisten in der Branche entdeckt.

Die Materialien von Morgen

Das Auffälligste dieser Messesaison in puncto Nachhaltigkeit war vielleicht die große Bandbreite an innovativen, nachhaltigen Materialien, die es mittlerweile auf dem Markt gibt und von die Designern eingesetzt werden. Mode aus außergewöhnlichen Materialien ist en vogue, und viele der jungen, nachhaltigen Designer sind hier schon längst zu Experten geworden. An manche innovativen Trendmaterialien wie Kork oder Tencel (Stoff auf Basis von Eukalyptusfasern) haben wir uns sogar schon wieder gewöhnt – was zeigt wie schnell solche Entwicklungen auch vom Markt aufgegriffen werden können.

Sneaker aus Stein

Beeinflusst vom Style der Graffiti, Street- und Boardsport-Kultur der frühen 90ger Jahre und den technisch angehauchten 80ern zeigen sich „nat-2“ experimentierfreudig, was innovative Materialien angeht. Für ihre Sneaker-Kollektion aus Stein haben sich nat-2 mit „Roxxlyn“ aus Berlin zusammengetan, die exklusive Accessoires aus Naturstein herstellen. Schieferstein wird dazu in einem aufwendigen Verfahren weich, leicht und flexibel gemacht und in fairer Produktion in einer Familienmanufaktur in Italien zu echten Unikaten verarbeitet. Neben Stein verarbeitet das Label auch Holz, Mais, Kork und Glas zu Schuhen.

Blusen aus Plastikflaschen

Dass aus blassen Plastikflaschen seidig schimmernde Blusen werden können, beweisen Jan `N June aus Hamburg. In ihren minimalistischen Kollektionen verarbeiten die beiden Gründerinnen unter anderem recyceltes Polyester, das aus Plastikabfällen wie PET-Flaschen gewonnen wird. Die Flaschen werden dafür zunächst geschreddert und eingeschmolzen. Im Anschluss wird die Masse durch ultradünne Düsen gepresst, sodass daraus neue Fasern entstehen. Alle Produkte sind nach dem Global Recycling-Standard (GRS) zertifiziert.

Taschen aus Ananasleder

Die Taschen des mallorquinischen Labels „Maravillas Bags“ werden aus den Blättern der Ananaspflanze, einem Nebenprodukt der Ernte, hergestellt. Bevor aus den Blättern schicke Taschen werden, werden sie zunächst in Fasern zerlegt, aus denen eine Art Vliesstoff entsteht. Ebenso wie Leder ist der wasserabweisend, geschmeidig und reißfest. Die vegane und zusätzlich umweltfreundliche Alternative zu Leder nennt sich Piñatex.

T-Shirt-Prints durch Sonnenlicht

Wenn es um nachhaltige Mode geht, spielen neben den Materialien auch Herstellungsverfahren eine wichtige Rolle. Statt sie unter eine schwere Druckerpresse zu legen, lässt das portugiesische Label Light Factory seine T-Shirts Sonne tanken. Aus der Verbindung lichtempfindlicher ökologischer Farbe und Sonnenlicht entstehen auf natürliche Weise coole Prints. Das Slow Fashion-Label macht dabei nichts anderes als Fotos direkt auf Textilien zu entwickeln. Hinter dem Label steckt die Fotografin Maria da Conceicao Pires. Die T-Shirts, Kleider und Wohnaccessoires sind eine Hommage an ihre Heimat Portugal und greifen typische Motive und Muster auf.

Hosen aus Autositzen

Das südkoreanische Upcycling-Label „Re:Code“ entzieht nicht mehr verwendete Kleidung und Textilien ihrem ursprünglichen Zweck und definiert sie zu limitierten Kollektionen um. Für seine Industrial Collection verarbeitet das Label die weichen Bezüge von Kopfstützen im Auto oder ausrangierte Airbags zu puristischen Tops, Sweatern, Hosen und Accessoires. Ausgemusterte Militärzelte, Gurte und Camouflage-Kleidung finden sich in Vintage-Teilen der Military Collection wieder. Selbst Kleinteile wie Knöpfe, Reißverschlüsse oder Care-Label finden eine neue Bestimmung als coole Details. Re:Code versteht sich als Unternehmen mit sozialer Verantwortung und arbeitet gezielt mit Nachwuchsdesignern sowie sozial benachteiligten Menschen.

Fazit der Berlin Fashion Week Januar 2018

Die Doppelmesse Ethical Fashion Show und Green Showroom, diesmal im industriellen Kreuzberger Kraftwerk, zeigte insgesamt 170 Labels aus 26 Ländern mit nachhaltigen Kollektionen für die Herbst-/Wintersaison 2018/19. Die neue Konferenz „FashionSustain“ und die Kooperation mit der „#Fashiontech“ der Premium Group verwandelten das Kraftwerk in einen spannenden Hub für die Zukunftsthemen der Mode. Auch auf anderen Schauplätzen zeigten sich viele Marken mit grünem Spirit, auf der Panorama Messe sogar mit einem eigenen grünen Bereich „Xoom“ mit Ausstellern der Ökomesse Innatex. Auch auf der Messe „Seek“ waren einige spannende grüne Brands zu sehen. Bei allen nachhaltigen Brands und Messe-Plattformen verliert man mittlerweile schnell den Überblick, und es wäre schön, wenn da wieder ein zentrales Event oder Platform geschaffen wird, das nicht durch Messewettbewerb und Showrausch angetrieben wird, und das die „grüne Modeszene“ wieder etwas mehr zusammenführt.

Beitragsbild oben: Royalblush, andere Bilder via: Ethical Fashion Show Berlin

 

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