Architektur Design

Kolonie auf Mars könnte aus lokal wachsendem Bambus gebaut werden

Den Mars zu besiedeln ist inzwischen keine Science-Fiction-Träumerei mehr, sondern wird sehr ernsthaft erforscht. Eine Schlüsselfrage dabei ist, aus welchem Material man die erste Kolonie auf dem Mars bauen könnte. Es gibt mehrere Ansätze, doch zwei Designer aus Malaysia haben einen ganz eigenen und ungewöhnlichen Vorschlag: Bambus, der direkt auf dem Mars wächst.

Warum Bambus auch auf dem Mars ein gutes Baumaterial ist

Bambus auf dem Mars anbauen, geht das überhaupt? Theoretisch ja! Bambus ist sehr widerstandsfähig und dient uns deshalb schon seit langem als natürliches und vielfältiges Baumaterial. Er kommt mit extremen Bedingungen und Temperaturschwankungen klar und muss nicht bestäubt werden, um sich fortzupflanzen. Bambus würde auf dem Mars vermutlich sogar besonders schnell wachsen, denn die Atmosphäre des roten Planeten hat einen hohen CO2-Gehalt.

Welche Ideen für die erste Kolonie auf dem Mars gibt es heute?

Bevor sie auf die Idee mit dem Bambus kamen, untersuchten die Designer Warith Zaki und Amir Amzar in ihrem Projekt „Seed of Life“ die Ideen, die es heute für die Marskolonien gibt. „Die Hälfte der Ansätze beruht darauf, Unterkünfte aus synthetischen, auf der Erde hergestellten Materialien zu bauen. Bei der anderen Hälfte geht es darum, lokal verfügbares Regolith zu nutzen“, erklären Zaki und Amzar. Regolith ist ein Gesteinsmaterial, das auf einigen Planeten inklusive dem Mars vorkommt.

Doch beide Vorschläge haben ihre Schwächen. Baumaterial in großen Mengen von der Erde zum Mars zu transportieren, ist extrem aufwendig und teuer. Die Unterkünfte über 3D-Druck aus Regolith zu errichten scheint sinnvoller, ist aber riskant: Niemand weiß genau, welche Schwierigkeiten dabei auftreten. Denn Regolith enthält Perchlorate, für den Menschen giftige chemische Verbindungen.

Sechs Jahre Bauzeit für die Marskolonie aus Bambus

Eine Kolonie aus Bambusunterkünften wäre also ein guter Mittelweg – ein Naturmaterial von der Erde, das leicht genug ist, um es problemlos zum Mars zu bringen. Der Bambus kann dann vor Ort weiter gezüchtet und von autonomen Robotern verarbeitet werden.

(c) Karim Moussa, Warith Zaki, Amir Amzar, Nasril Zarudin

Warith Zaki und Amir Amzar skizzieren in ihrem Projekt, wie die Marskolonie aus Bambus entstehen könnte. Jede der kapselförmigen Unterkünfte wird über einen Zeitraum von sechs Jahren errichtet. In der ersten Phase suchen Forscher nach Wasser, das im Marsboden als Eis vorkommt. Sobald es gefunden ist, werden selbstentfaltende Wohnkapseln aus dem Kunststoff ETFE zum Mars geschickt. Sie kommen etwa zwei Jahre später dort an.

In der nächsten Phase wachsen die Bambustriebe in den Kapseln heran. Ein Bohrloch aus dem Untergrund versorgt sie mit Wasser. Nach etwa drei Jahren ist der Bambus groß genug, um ihn zu verarbeiten. Er wird aus der Kapsel entnommen, zerkleinert, und von Robotern um die Kunststoffhülle herumgewebt. Anschließend wird Wasser in die Hülle gepumpt. Wegen des extremen Klimas auf dem Mars gefriert dieses Wasser und formt so eine weitere Hülle, die vor kosmischer Strahlung und UV-Licht schützt. Nach vier Jahren sind die Wohnkapseln fertig und bereit für die ersten Siedler von der Erde.

Nur ein Gedankenspiel – oder doch mehr?

Seed of Life ist nur ein Vorschlag, ein Gedankenspiel, das aber theoretisch machbar ist. Zaki und Amzar wollen dazu anregen, auch über alternative Baumaterialien nachzudenken, wenn es um die Marskolonien geht. Sie zeigen, dass Naturmaterialien eine ernsthafte Alternative sind, über die es sich nachzudenken lohnt. „Die Menschheit beherrscht seit Jahrtausenden Techniken, um aus Bambus oder Holz Unterkünfte zu bauen. Bambus allein würde bei den extremen klimatischen Bedingungen auf dem Mars vielleicht nicht funktionieren. Doch wenn man Technologie mit anderen Materialien kombiniert, gäbe es Möglichkeiten“, sind die Designer überzeugt.

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