Öko-Tipps Reise-Special Reisen

Der Ökologische Fußabdruck im Urlaub – was bringt der CO2 Ausgleich?

Wenn es um die Urlaubsplanung geht, stecken umweltbewusste Menschen oft in einer Zwickmühle. Eigentlich will man das Klima schützen, aber wer will schon immer nur zuhause Urlaub machen? Die Lösung aus diesem Dilemma verspricht der CO2-Ausgleich: Man zahlt an Anbieter, die damit Projekte zur Einsparung von Treibhausgasen oder zur Bindung von CO2 finanzieren. Ob die eigene Reise damit tatsächlich ausgeglichen wird, ist allerdings eine andere Frage. Bevor man über CO2-Kompensation nachdenkt, sollte man sich also mal ernsthaft fragen: muss ich wirklich fliegen?

Banner – Reise Special

Wer zum ersten Mal seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck berechnet (zum Beispiel hier beim Umweltbundesamt), stellt fest: Wir verursachen oft mehr CO2, als noch nachhaltig ist, und besonders heftig schlägt eine Flugreise zu Buche. Auch Kreuzfahrten gehören zu den Spitzenreitern beim CO2-Ausstoß. Und am Urlaubsort verursachen wir weiter Treibhausgase, im Taxi, bei Aktivitäten und auch im Hotel.

So funktioniert der CO2 Ausgleich

Deshalb gibt es inzwischen viele Anbieter, die einen rechnerischen Ausgleich unseres CO2-Ausstoßes anbieten. Je nachdem, wie viele Emissionen für die eigene Reise berechnet werden, zahlt man einen bestimmten Betrag an den Anbieter, der damit Klimaschutzprojekte finanziert. Die angerechneten Einsparungen müssen zusätzlich sein, dürften also ohne diese Finanzierung nicht ohnehin entstehen. Entscheidend ist auch, wie sie berechnet und überprüft werden, wie dauerhaft sie sind und ob dieselbe Einsparung mehrfach angerechnet wird.

Ein Anbieter für CO2-Ausgleich ist atmosfair. Die gemeinnützige Organisation bietet einen Rechner für die Emissionen von Flügen und Kreuzfahrten an und finanziert mit den Zahlungen verschiedene Klimaschutzprojekte. Dazu gehören etwa effizientere Kochöfen in Ruanda und Biogasanlagen in Nepal. Waldprojekte zur CO2-Kompensation lehnt atmosfair ab, unter anderem weil die dauerhafte Speicherung des Kohlenstoffs nicht garantiert werden kann. Wird ein Wald abgeholzt oder durch Brände zerstört, kann der gespeicherte Kohlenstoff wieder freigesetzt werden. Waldschutz hält die Organisation dennoch für wichtig.

CO2 Kompensieren mit atmosfair - Kocher
Ofen-Projekt in Ruanda von atmosfair
CO2 Kompensieren mit atmosfair - Biogas
Projekt von atmosfair in Nepal: Kuhdung zu Biogas

Auch die in der Schweiz gegründete Organisation myclimate finanziert Klimaschutzprojekte. Zu den beschriebenen Beispielen gehören effizientere Kocher in Kenia, die den Bedarf an Feuerholz verringern sollen, und Solaranlagen für Haushalte mit geringem Einkommen in Tansania. Wie viel Treibhausgas dadurch eingespart wird, hängt unter anderem davon ab, welche Energiequellen zuvor genutzt wurden und wie die neue Technik im Alltag eingesetzt wird.

Bäume pflanzen zur CO2-Kompensation

Der Anbieter Primaklima dagegen unterstützt mit dem Geld Aufforstungen im In- und Ausland, um CO2 langfristig zu binden. Bäume zu pflanzen gilt vielen als einfache Lösung, um den eigenen CO₂-Ausstoß auszugleichen. Tatsächlich binden Wälder über Jahrzehnte große Mengen Kohlenstoff, vorausgesetzt, sie bleiben langfristig bestehen. Doch genau hier liegt das Problem: Aufforstungsprojekte können ihre Klimawirkung nur entfalten, wenn die Bäume viele Jahre wachsen und nicht durch Abholzung, Feuer oder Klimawandel wieder verloren gehen. Umweltorganisationen wie Robin Wood mahnen daher, bei Baumpflanzprojekten genau hinzuschauen.

Seriöse Anbieter legen offen, wo und wie die Bäume gepflanzt werden, wer sie pflegt und wem die Flächen gehören. Wichtig ist außerdem, dass die Aufforstung zusätzlich erfolgt, also nicht ohnehin geplant war. Manche Projekte arbeiten mit lokalen Gemeinschaften zusammen, schaffen alternative Einkommensquellen oder fördern Mischwälder statt Monokulturen; das sind gute Zeichen. Skepsis ist angebracht, wenn Versprechen allzu einfach klingen oder das Monitoring unklar ist.

Nicht jedes Projekt, das Bäume pflanzt, ist automatisch gut für das Klima.

Nicht jedes Projekt, das Bäume pflanzt, gleicht deshalb schon die Emissionen einer Reise aus. Nutz- und Obstbäume können Einkommen schaffen und auch ökologische Vorteile bringen. Für die Bewertung kommt es darauf an, was vorher auf der Fläche war, welche Bäume gepflanzt werden und wie die Fläche langfristig genutzt wird. Auch der Schutz bestehender Wälder und die Renaturierung geschädigter Flächen verdienen Aufmerksamkeit. Ob daraus ein belastbarer CO2-Ausgleich entsteht, muss jeweils gesondert geprüft werden.

Dürfen wir dank CO2-Kompensation unbegrenzt fliegen?

Wer fliegt, kann zusätzlich Klimaschutzprojekte unterstützen. Ob ein Projekt sinnvoll ist und ob sich damit die Emissionen des Fluges rechnerisch ausgleichen lassen, sind allerdings zwei verschiedene Fragen. Bei alledem gilt: Vermeiden und reduzieren ist immer besser als kompensieren. Denn vollständig „kompensieren“ lässt sich der Klimaschaden einer langen Flugreise nicht. Trotz der CO2-Kompensationszahlungen gelangen immer noch viel zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre. An erster Stelle sollte deshalb auch beim Reisen bewusster, nachhaltiger Konsum stehen.

Banner – Reise Special

Wenn sich also das Reiseziel statt mit dem Flugzeug auch mit einem umweltfreundlicheren Verkehrsmittel erreichen lässt, sollte man dieses wählen. Bei der Urlaubsplanung sollte grundsätzlich gelten: Weniger oft weit weg verreisen, und wenn es weit weg geht, dann besser länger dort bleiben. Auch wenn Langstreckenflüge heute im Vergleich zu früher sehr günstig sind, sollten wir wieder in die Haltung kommen, dass Fernreisen etwas Besonderes sind. Übrigens sind Airlines auch sehr unterschiedlich in der Effizienz (siehe die Airline Index von atmosfair), und Zwischenlandungen sind auch in den meisten Fällen mit zusätzlichen Emissionen verbunden. Selbst beim Fliegen geht es also besser und schlechter.

Auch die Wahl der Unterkunft kann einen Unterschied machen. In kleinen, persönlich geführten Unterkünften bekommt man oft einen anderen Einblick in das Leben vor Ort als in großen Hotelanlagen. Für den Klima-Fußabdruck zählt allerdings auch hier, wie das Haus gebaut wurde und betrieben wird: Wie viel Energie braucht es, woher kommt sie und welcher Aufwand steckt hinter Pool, Wellnessbereich und Klimaanlage? Nachfragen lohnt sich, auch bei Hotels und Reiseanbietern, die mit Nachhaltigkeit werben.

Weitere Reisetipps finden Sie im Lilli Green Special Nachhaltiges Reisen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Alles, was Sie wissen müssen

Jetzt kostenlos abonnieren und 5% Rabatt sichern!

Das Lilli Green Magazin berichtet regelmäßig über nachhaltiges Design aus aller Welt. Im monatlichen Magazin-Abo erhalten Sie die besten Artikel und Interviews rund um Nachhaltigkeit und Design, sowie exklusive Neuigkeiten, Angebote und Verlosungen aus dem Lilli Green Shop. Als Mitglied der Lilli Green Community erhalten Sie außerdem 5% Rabatt auf das reguläre Shopsortiment!