Öko-Tipps

Nachhaltigkeit in der Nachbarschaft

Es ist ein durchaus unterschätztes Mittel im Kampf gegen den Klimawandel: die Nachbarschaft. Doch kann gerade die Art und Weise, wie wir in unserer direkten Gemeinschaft miteinander leben, einen wesentlichen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Wenn die Nachbarschaftsgemeinschaft gut funktioniert, wird vieles geteilt, es entstehen Freundschaften vor Ort und es werden insgesamt weniger Ressourcen gebraucht. Das Wohlbefinden der Menschen vor Ort steigert sich, es gibt weniger Einsamkeitsprobleme und auch weniger Grund, auf Reisen zu gehen. Was können wir konkret machen, um die Nachbarschaft nachhaltig zu beleben?

Beitragsbild: King County Parks (CC BY-NC-ND 2.0)

1. Gemeinschaftsgarten

Der nachbarschaftliche Gemeinschaftsgarten ist eins der besten und offensichtlichsten Beispiele, wie man durch lokales Engagement zu mehr Nachhaltigkeit beitragen kann. Hier treffen sich oft Menschen mit verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründen und arbeiten gemeinsam im Garten. Ob es jetzt ein Stadtgarten, ein gemeinsamer Dachgarten oder ein richtiger urbaner Gemüsegarten ist, wichtig sind das soziale Miteinander und die Begrünung der Nachbarschaft. Der Garten fungiert gleichzeitig als Treffpunkt und oft entstehen hier weitere Initiativen, Kontakte und Freundschaften.

Der Gemeinschaftsgarten kann auch wesentlich dazu beitragen, sich mehr selbst zu versorgen und fördert eine direkte Nähe zur Natur, die in urbanen Räumen nicht selbstverständlich, aber umso wichtiger ist. Das „Vitamin N“ (Natur) ist nicht nur wichtig für unseren Planeten, sondern auch für die Förderung unserer Gesundheit und die unserer Kinder. In vielen Städten gibt es bereits Gemeinschaftsgarten-Initiativen oder es entstehen gerade welche. Viele lokale Behörden in Deutschland stellen mittlerweile Flächen, Ressourcen und manchmal auch Fördergeld für nachbarschaftliche Garteninitiativen bereit.

Gemeinschaftsgarten in der Nachbarschaft

2. Freundschaften und Kontakte in der Nachbarschaft

Viele Menschen in den urbanen Räumen leben eher nebeneinander als miteinander, aber das muss nicht zwingend so sein. Ein gutes soziales Miteinander in der Nachbarschaft ist ein wichtiger Baustein für eine gesunde lokale Gemeinschaft und auch für das eigene Wohlbefinden zuhause. Und es hilft auch dem Klima, wenn wir dadurch weniger weit reisen müssen. Es lohnt sich also, aktiv Kontakte in der Umgebung aufzubauen und zu pflegen. Natürlich helfen dabei das eigene Engagement in lokalen Initiativen oder auch die Teilnahme an Sport- und Freizeitangeboten. Wichtig ist allerdings auch das Aufbauen von echten Freundschaften. Nicht jeder tut sich damit allerdings leicht. Dieser Ratgeber zum Thema Freundschaftsaufbau gibt einige Ratschläge, wie das gut gelingen kann.

3. Reparieren, teilen und tauschen

Das Teilen von Werkzeugen, Fahrzeugen und vielem mehr trägt dazu bei, dass wir weniger Ressourcen verbrauchen und macht auch unser eigenes Leben attraktiver und günstiger. Manche Architekten bedenken das Teilen bereits in ihren Wohnkonzepten mit, es entstehen nachbarschaftliche Sharing- und Repair-Cafés oder Kleidertausch-Partys. Einige Plattformen und Apps unterstützen das sorglose Teilen und Tauschen in der Nachbarschaft. Aber für manche Kontaktaufnahmen braucht es vielleicht gar keine App: Man kann auch einfach mal ganz altmodisch bei den Nachbarn klingeln, wenn man etwas braucht oder ausleihen möchte.

Repaircafé Ville de Villeneuve d’Ascq (CC BY-NC-ND 2.0)

4. Essen teilen und Lebensmittel retten

Das Teilen von Lebensmitteln („Foodsharing“) und gemeinsames Essen in der Nachbarschaft kann sehr vielfältig aussehen und auch zu vielen neuen Bekanntschaften und Freundschaften beitragen. Es gibt zum Beispiel Initiativen zur Lebensmittel-Rettung, die unverkaufte Lebensmittel vor dem Müll retten und öfter auch mit lokalen (Bio-)Supermärkten kooperieren. Das Teilen von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen, hilft dabei, weniger Müll zu produzieren. Das Teilen von Lebensmitteln und das Organisieren von Nachbarschaftsessen kann auch zum kulturellen und sozialen Austausch beitragen. Für Menschen vieler Kulturen gehört das Essen zur zentralen sozialen Komponente.

5. Nachbarschaftliches Engagement

Viele Menschen möchten sich gerne mal lokal engagieren, aber wissen oft nicht, wo. Dabei sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Zurzeit gibt es viele lokale Initiativen, die Geflüchteten helfen, nicht nur bezüglich Wohnraum, sondern auch bei der sozialen Integration oder bei Behördenkram. Es gibt sogenannte Buddy-Projekte, wo Geflüchtete und lokale Bewohner miteinander verknüpft werden.

Aber auch das Engagement für andere sozial benachteiligte Gruppen wie Obdachlose, Behinderte oder Ältere kann eine gute Idee sein, um lokal aktiv zu werden und über soziales Engagement zu einer nachhaltigen Nachbarschaft beizutragen.

Inspiration von der Transition-Bewegung

Die Transition-Bewegung setzt schon lange auf die lokale Gemeinschaft als wichtigem Baustein für ein nachhaltiges Leben auf unserem Planeten. Im englischen Städtchen Totnes entwickelte der Permakultur-Experte Rob Hopkins gemeinsam mit lokalen Aktivisten und Bewohnern ein Konzept, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. Die Idee dieser „Transition Town“ inspirierte zu einer weltweiten Bewegung, die auch in Deutschland viele lokale Initiativen hervorgebracht hat.

Gemeinschaftsgarten
Gemeinschaftsgarten – Bild: © Jonathan Billinger  (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Transition-Bewegung setzt sich für einen achtsamen Umgang mit der Erde und den Mitmenschen ein und möchte lokale Gemeinschaften fördern, die klimafreundlicher, selbstversorgender und weniger abhängig von nicht erneuerbaren Rohstoffen sind. Soziales Miteinander und Teilen von Ressourcen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Die Idee ist, dass wir gemeinsam mehr erreichen können als alleine, in den Nachbarschaften und auch in der Kooperation mit anderen Gruppen und Netzwerken. Gerade in Nachbarschaften kann umweltfreundliches Verhalten ansteckend sein und zum Nachmachen inspirieren.

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