Dieses Jahr alles in Naturtönen, nächstes Jahr vielleicht wieder Rot und Gold? Auf dem Dachboden liegt derweil der Schmuck aus den vergangenen Jahren. Genug für ein ganzes Fest, nur eben keine neue Kollektion. Wir finden: Die alten Kugeln haben einen weiteren Auftritt verdient. Was kaputt ist, lässt sich vielleicht reparieren. Und was uns nicht mehr gefällt, freut womöglich die Nachbarin.
Wer einen Zero-Waste-Weihnachtsbaum gestalten möchte, muss dafür nicht erst einen neuen Baum und passenden Schmuck anschaffen. Mit vorhandenen Dingen lässt sich viel anfangen: vom selbst gebauten Wandbaum bis zur Weihnachtsschmuck-Tauschparty. Weniger, dafür besser konsumieren heißt für uns auch, der Versuchung zur jährlichen Neuausstattung zu widerstehen.
Zero Waste fängt vor dem Weihnachtsbaumkauf an
Abfall zu vermeiden heißt, früher anzusetzen als bei der Mülltrennung im Januar. Zero Waste Europe stellt das Vermeiden und Wiederverwenden vor das Recycling. Der Gedanke dahinter: Dinge möglichst lange in Gebrauch halten, bevor sie überhaupt zu Abfall werden. Die Weihnachtskiste jedes Jahr wieder zu öffnen, passt ziemlich gut dazu.
Eine Tanne wächst über Jahre heran, um für wenige Wochen geschmückt im Wohnzimmer zu stehen. Dafür braucht sie Fläche und Pflege, anschließend wird sie transportiert und nach dem Fest entsorgt. Diesen Aufwand jedes Jahr zu wiederholen, stellen wir infrage. Auch eine Bio-Tanne ändert nichts an dieser kurzen Nutzung. Welche Unterschiede es beim Anbau und bei den verschiedenen Baumarten gibt, besprechen wir ausführlich in unserem Beitrag Wie nachhaltig sind Weihnachtsbäume?.
Ein vorhandener künstlicher Weihnachtsbaum kann wieder aus dem Keller kommen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, künstliche Bäume möglichst viele Jahre zu nutzen. Ihn für einen neuen Look auszumustern, passt für uns nicht zum Zero-Waste-Gedanken. Dasselbe gilt für einen Holzbaum oder einen selbst gebauten Wandbaum. Wiederverwendbar muss man dann auch wirklich wiederverwenden.

Die alten Kugeln bleiben
Weihnachtsdekoration muss nicht jedes Jahr eine neue Kollektion sein. Wer die roten Kugeln lange nicht mehr sehen konnte, mag sie vielleicht in Kombination mit schlichten Papiersternen wieder. Auch weniger Schmuck am Baum kann etwas verändern. Dafür muss nichts aussortiert werden; ein Teil bleibt einfach bis zum nächsten Fest in der Kiste.
Beim Auspacken fallen auch die kleinen Schäden auf. Ein abgerissenes Band lässt sich ersetzen, ein Stoffanhänger an der Naht schließen, ein gelöster Papierstern wieder zusammenfügen. Nicht jede Macke muss verschwinden. Wo Glas gesprungen ist oder scharfe Kanten entstanden sind, ist allerdings Schluss mit dem Weiterbenutzen.
Intakter Schmuck, der nur noch Platz wegnimmt, kann weitergegeben werden. Gerade vor Weihnachten lohnt es sich, im Freundeskreis nachzufragen, wer etwas gebrauchen kann.
Kugeln tauschen, Plätzchen essen
Wie wäre es mit einer Weihnachtsschmuck-Tauschparty? Freundinnen, Freunde und Nachbar:innen bringen den Schmuck mit, der zu Hause ungenutzt bleibt, dazu etwas Selbstgebackenes. Auf einem großen Tisch liegen dann Strohsterne neben Glaskugeln, Stoffschleifen und kleinen Holzfiguren.
Am besten steht schon in der Einladung: Mitgebracht wird sauberer, intakter Schmuck, den man wirklich abgeben möchte. Wer nur etwas für diese Saison verleihen will, kennzeichnet es mit Namen und einer kurzen Notiz. So wandert das Familienerbstück nicht versehentlich dauerhaft in eine andere Weihnachtskiste.
Ein strenger Eins-zu-eins-Tausch ist gar nicht nötig. Jemand bringt zehn Anhänger und nimmt zwei mit, jemand anderes hat noch kaum Schmuck und freut sich über ein ganzes Set. Was übrig bleibt, nehmen die bisherigen Besitzer:innen wieder mit oder geben es nach Absprache weiter. Wer Lust hat, richtet daneben einen Basteltisch mit Papierresten und Garn ein. Die Dekoration sieht anschließend anders aus, obwohl niemand dafür einkaufen war!

DIY-Weihnachtsschmuck aus dem, was übrig ist
Für selbst gemachten Weihnachtsschmuck lohnt sich ein Blick in die Schubladen, bevor es in den Bastelladen geht. Aus aufgehobenem Geschenkpapier lassen sich Sterne falten, aus Resten einer alten Stoffserviette kleine Anhänger nähen. Bänder von früheren Geschenken werden zu Aufhängern oder Schleifen. Die Farben müssen nicht exakt zusammenpassen.
Für einen DIY-Weihnachtsbaum können trockene Äste vom Gartenschnitt mit vorhandener Kordel zu einer Wanddekoration verbunden werden. Ein einzelner verzweigter Ast in einer standfesten Vase trägt ebenfalls Schmuck. Verschiedene Formen zeigen wir in unseren Inspirationen für Weihnachtsbaum-Alternativen.
Knoten statt Kleben macht das spätere Auseinandernehmen leichter. Festgeklebte Schichten aus Holz, Kunststoff und Papier lassen sich oft kaum noch trennen. Eine Stoffschleife kann nächstes Jahr an einem Geschenk hängen, der Ast wieder ohne Schmuck verwendet werden. Wer für ein Upcycling-Projekt erst einen Korb voller neuer Bastelmaterialien braucht, kann die Idee ruhig noch einmal überdenken.

Naturmaterialien: Gartenschnitt statt Glitzerspray
Gartenschnitt, heruntergefallene Zapfen oder ein trockener Zweig können die Weihnachtsdekoration ergänzen. Besonders naheliegend ist Material, das bei ohnehin anstehenden Gartenarbeiten anfällt. Wer keinen Garten hat, kann im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft nach etwas Schnittgut fragen.
Naturfunde sind allerdings nicht automatisch übrig. Morsches Holz und Reisighaufen bieten Lebensraum und Rückzugsorte, wie der NABU am Beispiel von Totholz im Garten erklärt. Solche Haufen lassen wir deshalb ungestört. Für Naturfunde gilt: nur dort sammeln, wo es erlaubt ist, und nur wenige Stücke mitnehmen, die tatsächlich gebraucht werden.
Ein Zapfen braucht weder Kunstschnee noch eine Schicht Glitzer. Mit einem lösbaren Faden lässt er sich aufhängen und später ohne Schmuck aufbewahren. Unbehandeltes Pflanzenmaterial lässt sich nach seiner Nutzung auch kompostieren. Lack, Klebstoff und Kunststoffdekoration gehören nicht mit auf den Kompost.

Und was liegt unterm Baum?
Ein Baum voller wiederverwendeter Schmuckstücke und darunter ein Berg Geschenke, die niemand braucht? Weniger, dafür besser konsumieren gilt auch beim Schenken. Lieber ein Geschenk, das wirklich gewünscht ist und lange gebraucht wird, als noch drei Kleinigkeiten dazulegen, damit es nach mehr aussieht. Auch etwas Gebrauchtes oder eine gemeinsame Unternehmung kann genau das Richtige sein.
Statt neues Geschenkpapier zu kaufen, lassen sich die Geschenke in vorhandene Stofftücher, Geschirrtücher oder Stoffreste einschlagen und verknoten. Nach dem Auspacken wird das Tuch weiterbenutzt oder für die nächste Geschenkrunde aufgehoben. Und wer noch Papier vom letzten Jahr hat, verwendet eben das.

Im Januar zeigt sich, was bleibt
Ordentliches Einpacken gehört zum Wiederverwenden dazu. Trockene Papiersterne kommen flach in einen Karton, Glaskugeln geschützt in vorhandenes Papier oder Stoffreste. Eine Lichterkette lässt sich um ein Stück stabile Pappe wickeln, statt als verknotetes Knäuel zu verschwinden. Kleine Bauteile eines zerlegbaren Weihnachtsbaums bleiben zusammen in einem beschrifteten Beutel.
Auch Naturmaterialien müssen nicht nach einem Fest weg. Trockene, saubere Zapfen und Äste können für die nächste Dekoration aufgehoben werden. Unbehandelte Pflanzenreste lassen sich im eigenen Garten kompostieren oder über die örtliche Grünabfallsammlung abgeben. Schnüre, Draht und Schmuck müssen vorher entfernt werden; die Annahmeregeln nennt der örtliche Entsorger. Für vollständig abgeschmückte Weihnachtsbäume empfiehlt das Umweltbundesamt die kommunalen Sammelangebote.
Ganz ohne Abfall wird nicht jedes Weihnachtsfest gelingen. Aber jedes Jahr neue Dekoration zu kaufen, während die alte noch brauchbar ist, müssen wir nicht zur Tradition machen. Lieber die Kugeln tauschen und sich für den nächsten Advent wieder zum Plätzchenessen verabreden.
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Der Weihnachtsbaum aus Holz von Habitree besteht aus zusammensteckbaren Elementen aus Kebony-Holz. An seinen Holzlatten finden die alten Lieblingskugeln ebenso Platz wie getauschte Anhänger und selbst gefaltete Papiersterne. Nach Weihnachten lässt er sich auseinandernehmen und für das nächste Fest verstauen. Im Lilli Green Shop bieten wir verschiedene Größen und Holzvarianten an, darunter auch einen kleinen Tischbaum.
