Wohnen & Einrichten

Wie nachhaltig sind Weihnachtsbäume? Tanne, Topfbaum und Alternativen

Erst bekommt sie den schönsten Platz im Wohnzimmer, wenige Wochen später liegt sie am Straßenrand. Die Weihnachtstanne hat einen erstaunlichen Absturz hinter sich. Weihnachten ohne Baum ist für viele kein richtiges Weihnachten. Trotzdem darf man fragen, ob dafür jedes Jahr ein neuer Baum her muss. Wer nach einem nachhaltigen Weihnachtsbaum sucht, stößt auf Bio-Tannen, Bäume im Topf und wiederverwendbare Modelle aus Holz oder Kunststoff. Wir finden, zur Auswahl gehört noch etwas anderes: erst einmal schauen, was schon da ist. Weniger, dafür besser konsumieren gilt auch im Dezember.

Die Tanne kommt meist vom Acker

Das Bild vom Weihnachtsbaum als kleinem Stück Wald im Wohnzimmer täuscht. Die meisten verkauften Bäume stammen aus Plantagen. ROBIN WOOD kritisiert den dort verbreiteten Einsatz von Pestiziden und Dünger, der Böden, Gewässer und Tiere belastet. Für einen ökologischen Christbaum empfiehlt die Organisation unter anderem das EU-Bio-Siegel und die Zeichen von Bioland, Naturland, Demeter oder Biokreis. Ihre Verkaufsstellenkarte hilft bei der Suche nach entsprechend zertifizierten Bäumen.

Weihnachtsbaum Zuechtung Monokultur
Monokultur: Weihnachtsbäume in einer Plantage

Dann lieber eine Bio-Tanne?

Eine Bio-Tanne macht beim Anbau einen Unterschied: Sie wächst ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger heran. Die damit verbundenen Belastungen für Böden und Gewässer werden vermieden. Stammt der Baum außerdem aus der näheren Umgebung, entfallen lange Transportwege vom Anbaugebiet zum Verkaufsort. Wer an der echten Weihnachtstanne hängt, kann mit einem regional gewachsenen, bio-zertifizierten Baum also konkret etwas verbessern. „Regional“ allein sagt allerdings noch nichts über die Anbaumethode aus.

Welche Siegel beim Weihnachtsbaum Orientierung geben und wie sich Bio-Anbau von konventionellem Anbau unterscheidet, erklären wir ausführlicher im Beitrag über ökologische Weihnachtsbäume.

Auch der letzte Weg zählt: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Autofahrt vom Verkaufsort nach Hause einen erheblichen Anteil an der Klimabilanz des Baums haben kann. Ideal ist deshalb eine Bio-Tanne, die in der Nähe gewachsen ist und sich ohne lange Extra-Fahrt abholen lässt.

Einen Baum für wenige Festtage heranzuziehen, finden wir dennoch weiterhin zu hinterfragen. Auch eine Bio-Tanne wird nach Weihnachten aus dem Wohnzimmer getragen. Wer diesen jährlichen Neukauf vermeiden möchte, kann nach anderen Formen des Weihnachtsbaums suchen. Nur wird eine Alternative nicht schon dadurch besser, dass sie aus Kunststoff oder Holz besteht. Auch sie muss hergestellt werden, und dann kommt es darauf an, wie lange sie tatsächlich in Gebrauch bleibt.

Ein Topf ist noch kein zweites Leben

Die Idee klingt wunderbar: Der Weihnachtsbaum wird im Topf geliefert und lebt nach den Feiertagen draußen weiter. Das kann klappen, tut es aber nicht von selbst. Die Gartenberatung des Verbands Wohneigentum warnt, dass angebotene Topf- und Ballenbäume häufig zu wenige Faserwurzeln haben, um später gut anzuwachsen. Hinzu kommt die warme, trockene Wohnzimmerluft.

Bei einer aus dem Boden entnommenen Nordmanntanne kann außerdem die Pfahlwurzel stark beschädigt sein, erläutert die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Dass der Baum beim Kauf noch grün ist, sagt wenig darüber aus, ob er nach dem Fest weiterwächst.

Deshalb lohnt es sich, beim Kauf nach Anzucht und Wurzelballen zu fragen. Und zu Hause braucht es einen geeigneten Platz für die Zeit nach Weihnachten. Der Verband Wohneigentum empfiehlt, den Baum möglichst kühl aufzustellen, regelmäßig zu gießen und höchstens zehn Tage im beheizten Raum zu lassen. Anschließend sollte er schrittweise wieder an die Außentemperaturen gewöhnt werden. Wer einen lebenden Weihnachtsbaum möchte, entscheidet sich auch für die Pflege während des übrigen Jahres.

Ist ein Weihnachtsbaum im Topf nachhaltiger

Weihnachtsbaum aus Holz: zum Wiederaufstellen gemacht?

Ein Weihnachtsbaum aus Holz lässt sich je nach Konstruktion auseinandernehmen, verstauen und im nächsten Dezember erneut aufbauen. Manche Entwürfe bestehen nur aus einem Stamm und querliegenden Latten. Ein paar Kugeln daran, ein Stern an der Spitze, und schon ist die vertraute Form da. Daran können dieselben Lieblingsstücke hängen, die vorher die Tanne geschmückt haben.

Doch auch Holz muss gewonnen, verarbeitet und transportiert werden. Aus dem Material allein lässt sich keine bessere Umweltbilanz ableiten. Bei einem wiederverwendbaren Weihnachtsbaum würden wir auf stabile Verbindungen und ersetzbare Teile achten. Er muss sich außerdem so verstauen lassen, dass man ihn im nächsten Jahr gern wieder hervorholt. Und die Form sollte länger gefallen als eine Saison.

Das gilt auch für einen vorhandenen Kunststoffbaum. Nach der Einordnung des Umweltbundesamtes sind künstliche Bäume nicht pauschal schlechter als gewachsene. Entscheidend ist unter anderem, wie lange sie genutzt werden und wie viele jährlich gekaufte Bäume sie ersetzen. Eine allgemeingültige Rangfolge der Ökobilanzen gibt es nicht. Einen intakten Baum auszusortieren, nur weil Holz gerade besser zum eigenen Geschmack passt, wäre jedenfalls ein seltsamer Anfang für weniger Konsum. Ein Weihnachtsbaum zum Wiederaufstellen sollte dann auch viele Weihnachten mitmachen. Wer ihn nach zwei Jahren durch ein neues Modell ersetzt, hat mit der Wiederverwendung wenig gewonnen.

Oh Tannenbaum. Oder einfach ein paar Zweige?

Naheliegend ist es, einfach ganz auf den Baum zu verzichten. Ein paar Zweige in einer Vase, daran Papiersterne und die alten Lieblingskugeln: Auch so lässt sich Weihnachten ins Zimmer holen. Geeignet ist beispielsweise Schnittgut, das im eigenen Garten ohnehin anfällt. Wer keinen Garten hat, kann bei einem örtlichen Forstbetrieb nach Zweigen fragen. Auch ROBIN WOOD nennt Gestecke als Alternative zum ganzen Baum.

Für einen DIY-Weihnachtsbaum lassen sich vorhandene Äste der Länge nach sortieren und mit Kordel zu einer Baumform verbinden. An der Wand bleibt darunter sogar Platz für die Geschenke. Natürlicher Weihnachtsschmuck kann ganz schlicht bleiben: einige Zapfen, Zweige und Sterne aus Papierresten. Wer lieber die alten bunten Glaskugeln aufhängt, muss sie dafür keineswegs durch neu gekaufte Holzsterne ersetzen.

Vom Wandbaum bis zum Bücherstapel mit Stern: In unseren Weihnachtsbaum-Alternativen zeigen wir fünf Gestaltungsideen und was sie an Platz, Material und Vorbereitung brauchen.

Kleiner Weihnachtsbaum aus Holz und Baumschnitt im Glas

Weniger kaufen darf festlich aussehen

Weniger, dafür besser konsumieren heißt für uns auch, sich von der jährlich neuen Weihnachtsdekoration zu verabschieden. Die Kiste vom Dachboden hat oft genug zu bieten. Was beschädigt ist, lässt sich vielleicht reparieren; was fehlt, ausleihen oder gebraucht finden. Und wenn es eine frisch geschlagene Tanne sein soll, bleiben Anbau und kurze Wege gute Ansatzpunkte.

Wer seiner Weihnachtskiste etwas Abwechslung gönnen möchte, kann Schmuck tauschen, reparieren oder aus vorhandenen Materialien ergänzen. Ideen dazu, einschließlich einer Weihnachtsschmuck-Tauschparty, finden Sie in unserem Beitrag zum Zero-Waste-Weihnachtsbaum.

Bei aller Aufmerksamkeit für den Baum lohnt allerdings ein Blick auf die Geschenke darunter. Das Umweltbundesamt ordnet die Umweltwirkung von Weihnachtsbäumen gegenüber anderen Konsumgütern und Verhaltensweisen als vergleichsweise gering ein. Den Baum akribisch auszuwählen und daneben Berge kurzlebiger Geschenke aufzutürmen, passt für uns nicht zusammen. Wir mögen Dinge, an denen man hängt, auch mit Gebrauchsspuren. Die alten Kugeln gehören dazu.


Werbung aus unserem Lilli Green Shop

Der Weihnachtsbaum aus Holz von Habitree besteht aus zusammensteckbaren Elementen aus Kebony-Holz. Seine reduzierte Form lässt Platz für die eigenen Lieblingskugeln, Papiersterne oder eine Lichterkette. Nach Weihnachten lässt er sich auseinandernehmen und für das nächste Fest verstauen. Im Lilli Green Shop finden Sie verschiedene Größen und Holzvarianten.

Holzweihnachtsbaum von Habitree
Holzweihnachtsbaum von Habitree

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