Grünes Geld Öko-Tipps

Welche Möglichkeiten gibt es, Geld nachhaltiger zu investieren?

Viele Menschen wollen bei ihrer Geldanlage ökologische und soziale Unternehmen und Projekte fördern. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Möglichkeiten, Geld unter Berücksichtigung von Umwelt, sozialen Fragen und verantwortungsvoller Unternehmensführung zu investieren.

Anlegerinnen und Anleger finden Nachhaltigkeit wichtig

Schon eine Umfrage der Landesbank Baden-Württemberg im März 2021 zeigte, dass sieben von zehn Deutschen bei neuen Geldanlagen Wert auf Nachhaltigkeit legten. Die Sorge, dabei weniger Rendite als mit einem klassischen Sparprodukt zu erzielen, spielte laut der damaligen Befragung kaum eine Rolle. Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich bei der Geldanlage nicht grundsätzlich aus. Welche Chancen und Risiken eine Anlage bietet, hängt allerdings vom konkreten Produkt, seiner Zusammensetzung und den Kosten ab.

Zuerst die eigenen Erwartungen klären

Die ersten Schritte vor der Geldanlage sind immer dieselben, egal ob Sie konventionell oder unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien investieren möchten. Legen Sie fest, was Ihr Bedarf ist: Wollen Sie lang- oder kurzfristig Geld anlegen? Können Sie für eine gewisse Zeit auf Ihr Geld verzichten oder soll es jederzeit verfügbar sein? Wie risikofreudig sind Sie? Und welche Rendite möchten Sie erzielen? Höhere Renditechancen gehen in der Regel mit höheren Risiken einher.

Eine breite Streuung kann das Risiko verringern, zu stark von einzelnen Unternehmen oder Märkten abhängig zu sein. Ein längerer Anlagehorizont gibt Ihnen mehr Spielraum, Kursschwankungen auszusitzen. Eine Garantie gegen Verluste ist beides nicht.

Die Entscheidung für eine Geldanlage ist gerade für Anfänger und Anfängerinnen oft nicht leicht. Unabhängige Informationen dazu, wie Sie eine Anlage finden, die zu Ihren Wünschen und Ihrer Risikobereitschaft passt, bieten zum Beispiel die Verbraucherzentralen.

Was bedeutet hier „nachhaltiger“?

Der zweite wichtige Punkt beim grünen Investieren, über den Sie sich vorab Gedanken machen sollten, ist Ihre eigene Definition von Nachhaltigkeit. Einigkeit besteht meist darin, dass Nachhaltigkeit nicht nur die Ökologie meint, sondern auch ethische und soziale Fragen einschließt. Inzwischen gibt es dafür gesetzliche Definitionen und Offenlegungspflichten. Trotzdem folgen die angebotenen Geldanlagen keinem einheitlichen Auswahlverfahren: Welche Unternehmen ausgeschlossen, welche bevorzugt und welche Wirkungen angestrebt werden, unterscheidet sich erheblich.

Um das passende Produkt zu finden, können folgende Überlegungen helfen:

  • Sollen in meinen Investments hauptsächlich kontroverse Branchen und Themen wie Atomkraft, Waffen oder Menschenrechtsverletzungen ausgeschlossen sein oder wünsche ich mir weitergehende Kriterien?
  • Welche Bereiche möchte ich gezielt unterstützen, beispielsweise erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft oder Bildung?
  • Will ich mit meiner Geldanlage eine messbare Wirkung anstreben und nachvollziehen können, welchen Beitrag mein Investment dazu leistet?

Ein einheitliches Nachhaltigkeitssiegel für sämtliche Finanzprodukte gibt es nicht. Eine Orientierung bieten beispielsweise das FNG-Siegel für Investmentfonds und das ECOreporter-Siegel. Entscheidend ist dabei, was das jeweilige Siegel tatsächlich prüft. Eine Aussage über die Sicherheit oder die künftige Rendite einer Anlage ist damit nicht verbunden.

Welche EU-Regeln inzwischen gelten

Die Europäische Union hat mit der Taxonomie-Verordnung Kriterien dafür geschaffen, unter welchen Bedingungen bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Dabei geht es unter anderem um Klimaschutz, Wasser, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität. Die Einordnung einer einzelnen Tätigkeit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein ganzes Unternehmen oder ein Fonds umfassend nachhaltig ist.

Gemäß der seit März 2021 geltenden EU-Offenlegungsverordnung müssen Finanzanbieter darüber informieren, wie sie Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen. Für Produkte, die ökologische oder soziale Merkmale bewerben, gelten zusätzliche Angaben nach Artikel 8. Artikel 9 betrifft Produkte, die nachhaltige Investitionen anstreben.

Diese Unterscheidung wird häufig als Abstufung von „hellgrün“ zu „dunkelgrün“ dargestellt. Sie ist jedoch kein Gütesiegel und keine einfache Skala von „wenig“ bis „sehr nachhaltig“. Für die Auswahl bleiben die konkreten Anlagebedingungen entscheidend. Die EU-Kommission hat im November 2025 eine Überarbeitung des Regelwerks vorgeschlagen.

Verschiedene Anlagestrategien bei nachhaltigen Geldanlagen

Warum ist es überhaupt so schwierig für Verbraucher und Verbraucherinnen, zu erkennen, wie nachhaltig ein Finanzprodukt ist? Das liegt daran, dass Finanzanbieter ganz unterschiedlich vorgehen, wenn sie entscheiden, welche Unternehmen beispielsweise in einem Investmentfonds enthalten sein sollen.

Es gibt dabei mehrere Strategien. Zum Beispiel den Ansatz, bestimmte Unternehmen nach negativen Kriterien auszuschließen, etwa wenn sie mit Waffen handeln. Ein sehr verbreiteter Ansatz ist, anhand von ESG-Ratings zu entscheiden, oder nach dem Best-in-Class-Verfahren die in einer Bewertung führenden Unternehmen einer bestimmten Branche auszuwählen. Möglich ist auch die Auswahl nach Positivkriterien, beispielsweise einem Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien oder dem Zugang zu sauberem Wasser.

Beim Impact Investing steht zusätzlich zur Rendite eine beabsichtigte, messbare ökologische oder soziale Wirkung im Mittelpunkt. Wie diese zustande kommen soll, muss sich aus dem jeweiligen Anlagekonzept ergeben.

Produkte mit Nachhaltigkeitsanspruch tragen häufig Zusätze wie „Sustainable“, „Green“, „Klima“ oder „Socially Responsible“ beziehungsweise die Kürzel „ESG“ oder „SRI“. Für entsprechende Fondsnamen gibt es inzwischen europäische Aufsichtsleitlinien. Der Name allein sagt trotzdem nicht, ob ein Produkt Ihren persönlichen Kriterien entspricht. ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen

Die ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance)

Anhand von ESG-Kriterien werden verschiedene Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte eines Unternehmens bewertet. Hinter dem Kürzel ESG verbergen sich die englischen Begriffe Environmental, Social und Governance.

Zu „Umwelt“ zählen beispielsweise Maßnahmen für den Klimaschutz, der Umgang mit Ressourcen und die Müllvermeidung eines Unternehmens. Zu „Soziales“ gehören der Umgang mit Arbeitskräften, die Bezahlung oder Maßnahmen für Gesundheit und Sicherheit. Unter „Unternehmensführung“ fallen Faktoren wie Korruptionsvermeidung.

ESG-Ratings werden von spezialisierten Anbietern und Ratingagenturen erstellt. Grundlage sind unter anderem Informationen, die Unternehmen öffentlich bereitstellen, etwa in Unternehmens- oder Nachhaltigkeitsberichten, sowie weitere Daten und Recherchen. Die Bewertungen sind nur eingeschränkt vergleichbar, weil die Anbieter unterschiedliche Methoden und Gewichtungen verwenden. Manche Ratings betrachten vor allem, welche finanziellen Risiken Umwelt- und Sozialthemen für ein Unternehmen bedeuten.

Seit Juli 2026 gilt eine EU-Verordnung, die Transparenz, Integrität und Aufsicht bei ESG-Ratings verbessern soll. Eine einheitliche Bewertungsmethode schreibt sie nicht vor. Deshalb kann ein Unternehmen weiterhin von verschiedenen Anbietern deutlich abweichende ESG-Ratings erhalten.

Nachhaltig investieren in Windenergie?

Alles nur Greenwashing?

Fonds, die ESG-Kriterien berücksichtigen, tragen zum Beispiel Zusätze wie „ESG“, „ESG Screened“ oder „Enhanced“. Die Vorgehensweise der Anbieter ist dabei unterschiedlich: Ein Ansatz ist, nur Unternehmen mit einem hohen ESG-Rating einer Branche oder eines Aktienindex aufzunehmen. Oder es werden Unternehmen ausgeschlossen, die in kontroversen Branchen wie Tabak, Waffen oder Atomkraft tätig sind.

Solche Verfahren kommen auch bei Indexfonds zum Einsatz, sogenannten ETFs. Kritik entsteht beispielsweise dann, wenn ein als grün beworbener Fonds weiterhin Unternehmen enthält, deren Geschäft den Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger widerspricht. Beim Best-in-Class-Ansatz können auch Unternehmen aus umstrittenen Branchen enthalten bleiben, solange sie innerhalb ihrer Vergleichsgruppe besser abschneiden.

Ein Ausschluss bestimmter Unternehmen verändert zunächst die Zusammensetzung des Fonds. Ob daraus eine zusätzliche ökologische oder soziale Wirkung entsteht, ist eine andere Frage. Deshalb lohnt sich der Blick auf die tatsächlich enthaltenen Unternehmen und die Auswahlregeln.

SRI (Socially Responsible Investment)

Ähnliches gilt für Produkte mit dem Zusatz „SRI“, also „Socially Responsible Investment“. Dahinter können strengere Ausschlüsse und Auswahlkriterien stehen als bei anderen Produkten desselben Anbieters. Beispielsweise werden teilweise weitere Geschäftsmodelle ausgeschlossen, etwa im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Organismen. Eine einheitliche Rangfolge, nach der SRI immer strenger als ESG wäre, gibt es jedoch nicht. Auch hier entscheidet die konkrete Anlagestrategie.

Impact Investing

Mit Impact Investing sind Investitionen gemeint, die neben einer finanziellen Rendite gezielt eine messbare ökologische oder soziale Wirkung anstreben. Anleger und Anlegerinnen sollen nachvollziehen können, welche Ziele verfolgt werden und welchen Nutzen die finanzierten Aktivitäten erzielen. Häufig geht es dabei um eines oder mehrere der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, etwa die Hungerbekämpfung oder die Bewahrung der Biodiversität.

Zum Verständnis von Impact Investing beim Global Impact Investing Network

Messbare Kennzahlen können etwa eingespartes Wasser, zusätzliche Bio-Anbauflächen, erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien in Megawattstunden oder die Zahl der Schüler und Schülerinnen an einer neu gebauten Schule sein.

Das Schwierige an diesem Konzept ist, dass sich der Nutzen eines Projekts nicht immer eindeutig messen lässt. Außerdem muss zwischen der Wirkung eines Unternehmens oder Projekts und dem Beitrag der Geldanlage dazu unterschieden werden. Wer bereits ausgegebene Aktien kauft, führt dem Unternehmen dadurch normalerweise kein neues Kapital zu. Bei börsennotierten Anlagen können allerdings auch andere Wege eine Rolle spielen, etwa die Ausübung von Stimmrechten und der gezielte Dialog mit Unternehmen. Solche Beiträge sollten nachvollziehbar beschrieben und belegt werden.

GIIN zu Wirkungsstrategien bei börsennotierten Aktien

Für Privatanleger kommen unter anderem Direktbeteiligungen, Crowdinvesting, Mikrofinanzfonds oder bestimmte Anleihen und Investmentfonds infrage. Keine dieser Anlageformen ist allein aufgrund ihrer Bezeichnung bereits ein wirkungsvolles Investment.

Nachhaltig investieren: Geldanlagen im Detail

Diese Möglichkeiten schauen wir uns in diesem Kapitel an:

  • Einzelaktien
  • Investmentfonds
  • Anleihen, darunter Green Bonds und Social Bonds
  • Direktbeteiligungen
  • Mikrofinanzfonds
  • Crowdinvesting
  • Tagesgeld und Festgeld

Einzelaktien

Wenn Sie an der Börse Einzelaktien kaufen, kaufen Sie Anteile an einem bestimmten Unternehmen. Sie können Ihr Geld also zum Beispiel gezielt in ein Windkraftunternehmen investieren, wenn Sie davon ausgehen, dass sich dieses Unternehmen positiv entwickeln wird und die Aktien im Wert steigen. Wichtig dabei ist aber: Dem Unternehmen fließt Geld zu, wenn es neue Aktien ausgibt, etwa beim Börsengang oder bei einer späteren Kapitalerhöhung. Der übliche Börsenhandel mit bereits ausgegebenen Aktien spielt sich zwischen Anlegern ab.

Wenn Sie Einzelaktien kaufen, sollten Sie nicht nur auf einige wenige Unternehmen setzen, sondern Ihre Anlage möglichst breit streuen. Das bedeutet, in verschiedene Branchen und Märkte zu investieren, um weniger von der Entwicklung einzelner Unternehmen abhängig zu sein. Bei Aktien ist ein langfristiger Anlagehorizont sinnvoll, damit Sie nicht zu einer ungünstigen Zeit mit Verlust verkaufen müssen. Die Börsenkurse können stark schwanken; bei einzelnen Unternehmen ist auch ein Totalverlust möglich.

Eine breite Streuung lässt sich über einen Fonds oft einfacher umsetzen als über viele einzelne Aktienkäufe. Wie gut das Risiko verteilt ist, hängt allerdings davon ab, welche Unternehmen, Branchen und Regionen der Fonds tatsächlich abdeckt.

Nachhaltige Investmentfonds

Investmentfonds bündeln das Geld vieler Anlegerinnen und Anleger und investieren es beispielsweise in Aktien oder Anleihen. Fonds mit Nachhaltigkeitsanspruch wählen ihre Anlagen zusätzlich nach bestimmten ökologischen, sozialen oder ethischen Kriterien aus. Im Gegensatz zum Kauf einer Einzelaktie sind Sie damit an mehreren Wertpapieren beteiligt. Wie risikoreich das Investment ist, hängt stark von deren Zusammensetzung ab.

Über solche Investmentfonds können Sie beispielsweise in Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, ökologische Land- und Forstwirtschaft, Wasserversorgung, Bildung oder öffentlicher Verkehr investieren. Ob damit neue Projekte finanziert oder bereits gehandelte Wertpapiere gekauft werden, hängt vom Fonds ab.

Zur Auswahl stehen aktiv gemanagte Fonds und passive Indexfonds wie ETFs. Insbesondere Aktienfonds sind für eine langfristige Anlage gedacht.

Aktiv gemanagte Investmentfonds

Hier stellt ein Fondsmanagement die Wertpapiere nach bestimmten Kriterien zusammen und kümmert sich aktiv um die Zusammensetzung des Fonds. Es verkauft also bei Bedarf Wertpapiere und kauft andere hinzu. Wenn Sie kein Interesse daran haben, selbst in Einzelaktien zu investieren oder nicht die Zeit haben, einen nachhaltigen Investmentansatz über Einzelaktien zu verfolgen, können Sie über Fonds die Auswahl einem Fondsmanagement überlassen.

Sie sollten allerdings genau prüfen, welche Kriterien ein Fondsanbieter anwendet und ob diese dem entsprechen, was Ihnen wichtig ist. Manchmal sind in einem Fonds nur bestimmte Branchen, etwa erneuerbare Energien, enthalten. Andere Fonds investieren breiter in viele Branchen und Regionen, achten dabei aber auf bestimmte Nachhaltigkeitskriterien. Hier kommen oft wieder die ESG-Kriterien ins Spiel.

Auch Nachhaltigkeitsindizes können als Orientierung dienen. Der Natur-Aktien-Index (NAI) beispielsweise umfasst 30 internationale Unternehmen, die nach Positiv- und Negativkriterien ausgewählt werden. Zu den Kriterien gehört, dass ihre Produkte oder Dienstleistungen zur Lösung ökologischer oder sozialer Probleme beitragen, beispielsweise durch ökologische Landwirtschaft oder Armutsbekämpfung.

Die Kriterien des NAI

Eine weitere Orientierung für die Wahl eines Fonds bietet das FNG-Siegel, das vom Forum Nachhaltige Geldanlagen entwickelt wurde. Es prüft Fonds nach festgelegten Kriterien, darunter Transparenz, Ausschlüsse und die Analyse der enthaltenen Anlagen. Über den Mindeststandard hinaus können bis zu drei Sterne vergeben werden. Neben dem bisherigen FNG-Siegel gibt es inzwischen das FNG-Siegel Transition mit teilweise abweichenden Kriterien für die Finanzierung wirtschaftlicher Veränderungen. Deshalb lohnt sich auch hier der Blick auf die genaue Auszeichnung.

Die FNG-Siegel und ihre Kriterien

In viele Fonds können Sie eine einmalige Summe oder über Sparpläne eine feste monatliche Rate investieren. Für Verwaltung und Management fallen laufende Kosten an. Je nach Fonds können Ausgabeaufschläge, Transaktionskosten oder weitere Gebühren hinzukommen. Die Angaben finden Sie insbesondere im Basisinformationsblatt und in den ergänzenden Kosteninformationen.

Passive Investmentfonds (ETFs)

ETF steht für „Exchange Traded Fund“, also börsengehandelter Fonds. Die hier gemeinten passiven ETFs bilden einen Index nach. Bei einem Aktien-ETF kaufen Sie damit Anteile an einem Fonds, der viele unterschiedliche Unternehmen abbildet. Weil die Auswahl den Indexregeln folgt, sind die laufenden Kosten häufig niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds.

ETFs mit Nachhaltigkeitsanspruch folgen Indizes, die beispielsweise bestimmte Branchen ausschließen oder Unternehmen anhand von ESG-Bewertungen auswählen und gewichten. Wie weit diese Kriterien gehen, unterscheidet sich erheblich. Ein ETF mit wenigen Ausschlüssen kann einem herkömmlichen Index sehr ähnlich sein; ein stärker gefilterter ETF kann deutlich davon abweichen. Prüfen Sie deshalb die Indexregeln und die enthaltenen Unternehmen. Auch ein breit gestreuter Aktien-ETF unterliegt Kursschwankungen.

Verbraucherzentrale zu Chancen und Risiken von ETFs

Anleihen (Green Bonds, Social Bonds)

Anleihen, auch Bonds oder Rentenpapiere genannt, werden unter anderem von Staaten und Unternehmen ausgegeben. Wer eine Anleihe kauft, leiht dem Herausgeber Geld. Die Bedingungen legen fest, wie Verzinsung und Rückzahlung erfolgen sollen. Viele Anleihen haben eine feste Verzinsung und Laufzeit, es gibt aber auch andere Ausgestaltungen.

Wie riskant eine Anleihe ist, hängt unter anderem von der Zahlungsfähigkeit des Herausgebers, der Laufzeit und den Vertragsbedingungen ab. Höhere versprochene Zinsen können auf ein höheres Ausfallrisiko hinweisen. Wer vor Ende der Laufzeit verkauft, muss außerdem mit Kursverlusten rechnen.

Bei Green Bonds sollen die Erlöse für festgelegte Umweltprojekte verwendet werden, auch zur Refinanzierung bereits bestehender Vorhaben. Social Bonds sind das gesellschaftlich ausgerichtete Pendant. Welche Projekte darunterfallen und wie die Mittelverwendung kontrolliert wird, sollten Anlegerinnen und Anleger in den Unterlagen prüfen.

Seit Dezember 2024 gilt der freiwillige europäische Green-Bond-Standard. Anleihen mit der Bezeichnung „European Green Bond“ beziehungsweise „EuGB“ müssen besondere Anforderungen erfüllen, die sich auf die EU-Taxonomie stützen. Nicht jede als Green Bond angebotene Anleihe folgt diesem Standard.

Zum europäischen Green-Bond-Standard

Direktbeteiligungen

Bei einer Direktbeteiligung erwerben Sie Unternehmensanteile oder beteiligen sich an einem ökologischen oder sozialen Projekt, meist über einen längeren Zeitraum. Wie Sie an Erträgen beteiligt werden und unter welchen Bedingungen Sie Ihr Kapital zurückerhalten, hängt von der konkreten Beteiligungsform ab. Für Unternehmen sind solche Beteiligungen eine Möglichkeit, sich Kapital außerhalb der Börse zu beschaffen.

Im Gegensatz zum üblichen Börsenkauf bereits ausgegebener Aktien fließt das Geld bei einer neu eingegangenen Direktbeteiligung an das jeweilige Unternehmen oder Projekt.

Solche Beteiligungen können rentabel sein, sind aber auch riskant. Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust. Außerdem lässt sich eine Beteiligung häufig nicht kurzfristig verkaufen oder kündigen. Deshalb sollte das Projekt vor dem Investment sorgfältig geprüft werden und der Anteil am gesamten Vermögen nur so hoch sein, dass ein Totalverlust zu verschmerzen wäre. Projektunterlagen können einen konkreten Einblick in die geplante Verwendung des Geldes geben; entscheidend sind ihre Qualität und die laufende Berichterstattung.

Mikrofinanzfonds

Mikrofinanzfonds finanzieren über lokale Mikrofinanzinstitute unter anderem Kleinkredite in Ländern, in denen viele Menschen nur eingeschränkten Zugang zu Bankdienstleistungen haben. Zum Beispiel an Kleinstunternehmer und Kleinstunternehmerinnen, die sich damit eine wirtschaftliche Existenz aufbauen oder ihr Geschäft erweitern wollen. In der Regel arbeitet ein Mikrofinanzfonds mit mehreren Instituten zusammen, sodass sich die Anlagen verteilen.

Diese Streuung macht Mikrofinanzfonds jedoch nicht automatisch zu einer sicheren Geldanlage. Es bestehen unter anderem Ausfall-, Länder- und gegebenenfalls Währungsrisiken; auch die Rückgabe von Fondsanteilen kann eingeschränkt sein. Für die soziale Wirkung kommt es beispielsweise auf faire Kreditbedingungen, den Schutz vor Überschuldung und die Arbeit der beteiligten Institute an. Ein Kredit allein ist noch keine Garantie dafür, dass Menschen der Armut entkommen.

Verbraucherzentrale zu Mikrofinanzanlagen

Crowdinvesting für Umwelt- und Sozialprojekte

Beim Crowdinvesting beteiligen sich viele Kleinanleger und Kleinanlegerinnen an einem Unternehmen oder Projekt. Das läuft über spezielle Internetplattformen. Je nach Angebot sind bereits kleinere Beträge möglich, beispielsweise zur Finanzierung einer Solaranlage oder eines Energieeffizienzprojekts.

Auch hier ist das Risiko hoch. Häufig handelt es sich um Darlehen oder andere Finanzierungsformen, deren Bedingungen genau geprüft werden müssen. Bei nachrangigen Forderungen werden im Insolvenzfall zunächst andere Gläubiger bedient; ein Totalverlust ist möglich. Die Projektbeschreibung kann die geplante Verwendung des Geldes anschaulich machen, ersetzt aber keine Prüfung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der Vertragsbedingungen.

BaFin zum Crowdfunding

Tagesgeld und Festgeld

Zu den vergleichsweise sicheren Anlageformen gehören Tagesgeldkonten und Festgeldprodukte innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung. Sie werden auch von Banken angeboten, die ökologische und soziale Kriterien für ihre Kreditvergabe und Eigenanlagen festgelegt haben. Beim Tagesgeldkonto ist das Geld grundsätzlich jederzeit verfügbar, während Sie beim Festgeld Ihr Geld für eine vorher festgelegte Laufzeit anlegen.

Die Zinssätze unterscheiden sich je nach Bank, Laufzeit und Angebot. Tagesgeldzinsen können sich verändern, Festgeldzinsen stehen üblicherweise für die vereinbarte Laufzeit fest. Innerhalb der EU sind Einlagen grundsätzlich bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich geschützt. Ein Kaufkraftverlust durch Inflation bleibt trotzdem möglich.

Bundesbank zur Einlagensicherung

Geld nachhaltiger investieren: Wie fange ich an?

Für den Kauf und die Verwahrung von Aktien, Anleihen und Fonds benötigen Sie in der Regel ein Depot. Tagesgeld oder Festgeld kommen ohne Wertpapierdepot aus. Depot- und Fondsangebote gibt es beispielsweise bei der GLS Bank, der UmweltBank und über die EthikBank. Diese Banken veröffentlichen eigene ökologische beziehungsweise soziale Anlagekriterien. Welche Wertpapiere über das jeweilige Depot erhältlich sind und welche Kriterien dafür gelten, sollten Sie gesondert prüfen.

Auch die eigene Hausbank, Direktbanken oder Onlinebroker sind eine Möglichkeit. Sie sollten vorher abklären, welche Fonds und ETFs angeboten werden und welche Kosten für Depot, Käufe und Sparpläne entstehen. Die Wahl der Bank und die Auswahl der Wertpapiere sind zwei Entscheidungen, bei denen sich ein genauer Blick lohnt.

Zwischen Anspruch und tatsächlicher Geldanlage

Noch ist es für Privatanleger und Privatanlegerinnen nicht so einfach, sich im Dschungel der nachhaltigen Geldanlagen zurechtzufinden. Die EU-Regeln und verschiedene Siegel geben inzwischen mehr Orientierung, doch die Unterschiede zwischen den Angeboten bleiben groß. Wer bestimmte Branchen ausschließen, ausgewählte Unternehmen unterstützen oder eine messbare Wirkung anstreben möchte, sollte deshalb genauer hinsehen: auf die Auswahlkriterien, die tatsächlichen Anlagen und darauf, was ein Anbieter über die Verwendung des Geldes offenlegt.

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