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Die große Leidenschaft des Designers William Morris für Naturfarben

William Morris war ein sehr vielseitiger britischer Künstler, Autor und Aktivist in der Viktorianischen Zeit und einer der wichtigsten Gründer der Arts and Crafts-Bewegung. Mit seinen Experimenten und Textilprints mit Naturfarben trug er maßgeblich zur Wiederbelebung traditioneller britischer Textilkunst bei. Obwohl er zu seinen Lebzeiten am bekanntesten war für seine Gedichte, ist er jetzt postum vor allem für seine Wandtapeten- und Textildesigns bekannt. Viele Jahre seines Lebens widmete er extrem aufwändigen Experimenten mit natürlichen Färbeverfahren, die die Basis vieler seiner Designs wurden.

Habe nichts in deinem Haus, von dem du nicht weißt, dass es nützlich ist oder wovon du glaubst, dass es schön ist. – William Morris

Morris hatte schon früh eine sehr ausgesprochene Meinung über Design. Bei einem Familienausflug nach London demonstrierte der 16-jährige Morris seine Loyalität gegenüber handwerklichen Prinzipien, indem er sich weigerte, die Great Exhibition zu besuchen, die sich den neuen Designs des Maschinenzeitalters widmete. Während seines Studiums fing er an, Alternativen zu erforschen für die in seinen Augen entmenschlichenden, industriellen Systeme, die „unnatürliche“ Objekte von schlechter Qualität produzierten. Mit einigen Freunden startete er 1861 ein Interior Design-Unternehmen, wo die goldene Regel war, dass alles per Hand produziert werden sollte. Hiermit setzte das Unternehmen sich stark ab vom damaligen Mainstream des industriellen Fortschritts. Auch in seinen Gedichten und Büchern etablierte er seine anti-industrielle Botschaft, wie in dem epischen Gedicht The Earthly Paradise.

William Morris Buch Irdisches Paradis

Gegenpol der Industrialisierung: die Arts and Crafts-Bewegung

Es gibt viele interessante Parallelen zwischen unserer heutigen Zeit und der Zeit, als Morris lebte: Viele Menschen glaubten an den technischen und industriellen Fortschritt, es wurden neue chemische Produktionsverfahren entwickelt und es wurde die Basis der billigen Massenproduktion von qualitativ niederwertigen Produkten gelegt, die wir heutzutage noch kennen.

Morris versuchte mit seinen Experimenten sowie mit der Begründung der Arts and Crafts-Bewegung, ein Gegenmodell zu erschaffen: zurück zu mehr Natürlichkeit, Produktion in echter Handarbeit und einer hohen, langlebigen Qualität der Produkte. Auch heutzutage gibt es viele Menschen und Unternehmen, die an den technisch-industriellen (und digitalen) Fortschritt als Lösung aller Probleme glauben, und diejenigen, die auf natürliche Materialien und ökologische und handgemachte Produkte setzen. Spannenderweise finden sich auch in dem Nachhaltigkeitsdiskurs und in der Circular Economy-Bewegung beide Sichtweisen wieder.

Die Suche nach dem perfekten, natürlichen Färbeverfahren

Morris wandte sich an seinen Business Manager George Wardle, der aus einer Familie von Seidenfärbern stammte. Er half Morris beim Erlernen des Handwerks und anschließend entwickelte Morris seine Formeln für pflanzliche Farben. Morris experimentierte ausführlich mit Indigo-Färbungen und wurde in der Zeit regelmäßig mit blaugefärbter Haut angetroffen: “Seine Hände und Ärme blieben permanent Blau”, berichtete ein Freund. Mit lauter, fröhlicher Stimme schrie er aus seinem Atelier: “I’am dyeing, I am dyeing, I am dyeing!” (“Ich färbe, ich färbe, ich färbe!”).

Blumen Indigo - Design William Morris

Morris’ Leidenschaft, mit Indigo das perfekte Verfahren zu entwickeln, entstammte nicht nur seinem Wunsch, eine hochwertige, licht- und wasserfeste Farbe zu entwickeln, sondern auch seiner ausgesprochenen Sensibilität für Farben. Er war mit den damaligen verfügbaren Färbeverfahren nicht zufrieden und experimentierte deshalb jahrelang herum, bis er das richtige Färbeverfahren entwickelt hatte. Morris’ besondere Farb-Ästhetik mit Naturfarben war auch vom mittelalterlichen und persischen Kunsthandwerk inspiriert. Er hatte eine Vorliebe für klare Farben: Rot, Grün, Gelb und Blau. Er sah die Farben als pure, in sich schöne, natürliche Produkte, deren Individualität durch zu viel Mischen zerstört werden könnte. Was Morris erreichen wollte, waren natürlich brillante, schnelle und dennoch weiche Farben, die zu dieser Zeit schwer zu bekommen waren.

Morris’ Farb-Ästhetik war Teil seines Strebens nach starker Expression, konträr zu den damals modernen, industriell hergestellten Farben auf Anilin-Basis. Die Farbstoffe wurden auf Basis von Kohlenteer hergestellt, was raue, schrille Farben erzeugte. Morris mochte diese Farben nicht nur nicht wegen ihrer Farbgebung, sondern auch, weil die Farben sich in den Jahren nach dem Druck veränderten und mit der Zeit verblassten. Diese Abkehr vom industriellen Herstellungsverfahren war übrigens auch eine wichtige Treibkraft hinter der Arts and Crafts-Bewegung, von der Morris einer der Mitgründer war.

Wandtapete The Forest von William Morris

Die Tiefe von natürlichen Farben auf pflanzlicher Basis

Ohne seine ausführlichen Forschungen und die Entwicklung des komplexen natürlichen Farbdruckverfahrens wäre Morris nie in der Lage gewesen, die wundervoll komplizierten Designs mit ihren unvergleichlichen Farben und Tiefen zu produzieren. Aus dem Buch „William Morris“ von Helen Dore wissen wir, wie er diese Farben kreiert hat: „Blau aus Indigo und Färberwaid; Rot von den Schildläusen und der Pflanze Krapp; Gelb aus Gilbkraut, Pappeln, Korbweide, Birke, Ginster und Färber-Eiche; Braun aus Walnussbaumwurzeln.“ Indigo, mit dem er seine meist ikonischen Designs druckte, war am schwierigsten zu verwenden. Es dauerte drei Tage, um sich vorzubereiten, und es musste alles sehr genau passieren, und oft ging es daneben. Es war daher die mühsamste und zeitaufwendigste Methode.

Das „Strawberry Thief“-Motiv

Das von ihm entwickelte, sehr komplexe Indigo-Färbeverfahren verwendete Morris auch für das Entwickeln des Motivs „Strawberry Thief“ (Erdbeerdieb) von 1883. Das Motiv wurde inspiriert von den Drosseln, die bei Morris im Garten seines Landhauses im englischen Oxfordshire Obst vom Tisch raubten. Das wunderschöne Motiv wurde von der schwedischen Firma Åry Home in Kooperation mit dem renommierten Victoria & Albert Museum auf handgemachte Tabletts aus nachhaltigem Birkenholz gedruckt. Die Tabletts sind jetzt auch im Lilli Green Shop erhältlich!

Ary Home Serviertablett aus Holz

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