Das Badezimmer ist ein Ort der Routine. Hier beginnt und endet unser Tag, meist unbewusst und fast automatisch. Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick. Kaum ein Raum im Haushalt vereint so viele Produkte, Materialien und Verpackungen, die täglich mit Wasser in Berührung kommen. Einige können durch Abrieb oder enthaltene Kunststoffpartikel zum Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt beitragen. Plastik im Bad zu reduzieren bedeutet keinen Verzicht, sondern einen bewussteren Blick auf das, was uns im Alltag umgibt. Mit ein paar bewussten Entscheidungen und einfachen Umstellungen lassen sich Plastikmüll und bestimmte Quellen von Mikroplastik im Bad reduzieren.
Wie lässt sich Mikroplastik im Alltag vermeiden?
Bestimmte Quellen von Mikroplastik lassen sich reduzieren, indem man bei notwendigen Neuanschaffungen auf Materialien und Inhaltsstoffe achtet. Ein weiterer Punkt im Badezimmer ist der Verzicht auf Einwegplastik und unnötige Verpackungen. Das reduziert zunächst Verpackungsmüll und ist von der Vermeidung unmittelbar freigesetzter Mikroplastikpartikel zu unterscheiden. Produkte für das Badezimmer finden Sie auch in unserem Lilli Green Shop.
Mikroplastik bezeichnet winzige, feste Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie werden entweder gezielt hergestellt oder entstehen durch den Abrieb und Zerfall größerer Kunststoffteile. Mittlerweile lassen sich diese Partikel nahezu überall nachweisen, in Lebensmitteln, der Luft und im Grundwasser.
Viele dieser Partikel werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. Mikroplastik kann über Lebensmittel, Getränke und die Atemluft in den menschlichen Körper gelangen. Welche gesundheitlichen Folgen daraus entstehen, wird weiterhin erforscht. Kläranlagen halten Mikroplastik nicht vollständig zurück.
Mögliche Quellen für Mikroplastik im Badezimmer sind:
- Abrieb von Kunststoffborsten und anderem Kunststoffzubehör
- Faserabrieb aus synthetischen Textilien und Reinigungstüchern
- Zugesetzte feste Kunststoffpartikel in bestimmten Pflege-, Wasch- und Reinigungsprodukten
Für absichtlich zugesetzte Mikroplastikpartikel gelten in der EU seit Oktober 2023 Beschränkungen. Mikroplastik als Schleifkörper, etwa zum Peelen oder Reinigen, fällt bereits unter das Verbot; für andere Anwendungen gelten teilweise Übergangsfristen.

Materialwahl und langlebige Ausstattung für das Badezimmer
Um Quellen von Mikroplastik langfristig zu reduzieren, ist zunächst ein Bewusstsein für die Problematik notwendig. Neben einzelnen Hygieneartikeln lohnt sich auch ein Blick auf die grundsätzliche Ausstattung des Badezimmers.
Neben Pflege- und Reinigungsprodukten spielt auch die Materialwahl bei Badaccessoires eine Rolle. Holz, Keramik, Glas oder Metall können Kunststoff in vielen Bereichen ersetzen, sofern sie langlebig verarbeitet und bewusst genutzt werden. Bereits vorhandene, funktionierende Badaccessoires müssen jedoch nicht allein wegen ihres Kunststoffanteils ausgetauscht werden.
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Holz kann im Badezimmer eine sinnvolle Alternative zu Kunststoff sein, wenn Herkunft, Verarbeitung und Nutzung zusammen gedacht werden. Bei der Auswahl können regionale Herkunft und zertifizierte Forstwirtschaft Orientierung geben. Im Bad benötigt Holz jedoch eine sorgfältige Verarbeitung und ausreichende Trocknung.
Bambus wächst zwar sehr schnell und gilt als nachwachsender Rohstoff, wird für viele Produkte jedoch stark verarbeitet und mit Klebstoffen verpresst, was seine ökologische Bilanz relativieren kann.
Auch Olivenholz wird für Bürsten, Seifenschalen oder Ablagen verwendet. Solche Produkte verbinden Funktionalität mit zeitloser Ästhetik. Ob das gesamte Produkt ohne Kunststoff auskommt, hängt auch von weiteren Bestandteilen wie Borsten und Beschichtungen ab.

Für welche Produkte gibt es plastikfreie Alternativen?
Für viele Alltagsprodukte im Bad gibt es mittlerweile plastikfreie oder zumindest plastikreduzierte Alternativen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, vor dem Kauf einen Blick auf die Inhaltsstoffliste zu werfen. Hilfreich sind dabei Apps wie Codecheck oder ToxFox, die Informationen zu Inhaltsstoffen bieten und eine bewusste Kaufentscheidung erleichtern.
Weniger Kunststoff bei der Zahnpflege
In der Zahnpflege lässt sich beispielsweise beim Griff der Zahnbürste Kunststoff einsparen. Bambus-Zahnbürsten ersetzen den herkömmlichen Kunststoffgriff durch Bambus. Die Borsten bestehen jedoch je nach Produkt weiterhin aus Kunststoff. Auch biobasierte Borsten, etwa auf Grundlage von Rizinusöl, sind nicht automatisch biologisch abbaubar. Bambus-Zahnbürsten sind mittlerweile in Drogerien, Apotheken und in Online-Shops problemlos erhältlich.
Auch bei Zahnpasta gibt es Möglichkeiten, Verpackungen einzusparen. Zahnputztabletten ersetzen die klassische Plastiktube und werden häufig in Glasbehältern oder Papierverpackungen angeboten. Bei Zahnseide werden ebenfalls Varianten aus biobasierten Kunststoffen angeboten. Diese sind nicht automatisch plastikfrei. Wiederbefüllbare Behälter tragen zusätzlich zur Müllvermeidung bei.

Körper- und Haarpflege ohne Plastikmüll
Im Bereich der Körper- und Haarpflege lässt sich ebenfalls viel Plastik einsparen. Viele feste Shampoos und Haarseifen sind ohne Kunststoffverpackung erhältlich. Sie sind in Bioläden, Unverpackt-Läden oder Online-Shops erhältlich. Auch manche Apotheken führen entsprechende Produkte.
Flüssiges Duschgel aus der Plastiktube kann je nach Hautbedürfnis durch ein festes Seifenstück ersetzt werden. Rückfettende Naturseifen werden auch zusammen mit Säckchen aus Naturfasern angeboten, die gleichzeitig als Peelinghilfe dienen. Wird die Seife unverpackt oder in Papier angeboten, lässt sich damit Kunststoffverpackung einsparen.
Neben der Verpackung lohnt sich auch ein Blick auf die Pflegeprodukte selbst. Dabei sind feste Mikroplastikpartikel von gelösten synthetischen Polymeren zu unterscheiden. Nicht jedes synthetische Polymer ist Mikroplastik. Bei zertifizierter Naturkosmetik geben die Kriterien des jeweiligen Standards Auskunft darüber, welche Inhaltsstoffe ausgeschlossen sind.

Waschmittel mit weniger Kunststoffverpackung kaufen
Waschmittel sind eine häufig unterschätzte Quelle von Plastikmüll. Flüssigwaschmittel wird überwiegend in Kunststoffbehältern angeboten. Waschpulver hingegen ist auch in Kartonverpackungen erhältlich. Ob diese zusätzlich Kunststoff enthalten, lässt sich anhand der Verpackungsangaben prüfen. Größere Packungen können den Verpackungsaufwand pro Waschgang reduzieren; entscheidend sind die konkrete Verpackung und die empfohlene Dosierung.
Neben der Verpackung lohnt sich auch ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Einige Waschmittel enthalten synthetische Polymere. Ob diese unter den Begriff Mikroplastik fallen, hängt unter anderem davon ab, ob sie als feste, unlösliche Partikel vorliegen. Bei Angaben wie „mikroplastikfrei“ lohnt sich deshalb ein Blick darauf, welche Stoffe der Hersteller damit ausschließt.
In Unverpackt-Läden kann man Waschmittel zudem in eigene Behälter abfüllen. Dadurch lässt sich Verpackungsmüll reduzieren. Welche Stoffe beim Waschen ins Abwasser gelangen, hängt hingegen von der Rezeptur und der Dosierung ab.
Putzen ohne Mikroplastik zu erzeugen
Auch beim Putzen entsteht häufig unbemerkt Mikroplastik. Mikrofasertücher aus synthetischen Fasern können durch Abrieb feine Kunststoffpartikel an das Schmutzwasser abgeben. Wiederverwendbare Putzlappen aus reinen Naturfasern vermeiden diesen Kunststofffaserabrieb. Alte Baumwollhandtücher, T-Shirts oder Bettwäsche lassen sich problemlos zuschneiden und als Putzlappen weiterverwenden.
Für Reinigungsmittel gibt es mittlerweile Nachfüllsysteme oder Produkte mit reduziertem Verpackungsmaterial. Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel können bei der Auswahl Orientierung bieten. Alternativ kann man je nach Oberfläche und Anwendung auf bewährte Hausmittel wie Essig, Natron oder Zitronensäure zurückgreifen.

Toilettenpapier ohne Kunststoffverpackung
Eine besondere Herausforderung stellt Toilettenpapier ohne Kunststoffverpackung dar. Im regulären Handel ist es häufig in Kunststoff verpackt erhältlich. Einige Unverpackt-Läden bieten jedoch Varianten mit Papierbanderole an. Online findet man inzwischen mehrere Anbieter von Recycling-Toilettenpapier, das ohne Kunststoffverpackung auskommt.