Eco-Fashion Interviews

lille havn. – Nachhaltige Kindermode mit nordischem Flair

Besonders bei Kindermode macht es Sinn, auf Nachhaltigkeit und natürliche Materialien zu setzen. Dadurch bekommen die Kinder gesunde Kleidung ohne Giftstoffe und wir tragen zudem dazu bei, für sie eine bessere Welt zu hinterlassen. Das neue Hamburger Kindermodelabel lille havn. verbindet natürliche und nachhaltige Materialien mit einem nordischen Designstil. Im Interview erzählt lille havn.-Gründerin Susan Bechstein über die Anfangsgeschichte des Modelabels.

Was hat dich dazu gebracht, lille havn. zu gründen?

Susan: Der Traum vom eigenen Label schlummerte schon Ewigkeiten in mir. Tatsächlich hat es dann aber 13 Jahre gedauert, bis ich mich zur Selbstständigkeit und somit zur Gründung von lille havn. entschloss. Ich habe in einigen tollen Firmen gearbeitet, nette Kollegen gehabt und sammelte viele Erfahrungen im Produktmanagement und Einkauf – die mir heute als Gründerin sehr weiterhelfen.

Susan Bechstein, Gründerin lille havn.

Beim Wiedereinstieg in den Job nach meinem zweiten Kind ist mir vollends bewusst geworden, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen war, diesen Wunsch umzusetzen. Der Spagat zwischen Familie und Arbeit und die somit sehr begrenzte Zeit wollte ich für etwas aufbringen, für das ich brenne. Ich hatte so viel Leidenschaft und Ideen in mir, die ich unbedingt in mein Projekt lille havn. stecken wollte.

Unser Familienurlaub 2020 in Dänemark war dann eine große Inspiration für mich. Die Natur, das Licht und der dänische Stil haben mich dazu inspiriert, pure, natürliche Kindermode zu entwickeln – nordisch leicht. Mein Mann Felix und ich haben neun Monate lang unsere ganze Energie und Zeit in die Vorbereitung des Launches gesteckt. Nun hieß es: Lieferanten finden, Musterungen und Beschaffung der Ware, viele organisatorische Dinge wie Gewerbeanmeldung und die Einrichtung und das Design des Onlineshops. Am 29. April 2021 war es dann so weit und wir haben meinen Shop eröffnet.

lile havn. nachhaltige kindermode aus hamburg

Welche Herausforderungen gibt es für dich, um nachhaltige Kindermode zu produzieren?

Susan: Oh, da gibt es einige. Die größte Herausforderung für mich sind die Beschaffungsmengen und damit verbunden die Beschaffungsländer. Ich arbeite auf das Ziel hin, meine komplette Kollektion in Europa fertigen zu lassen. Hier habe ich aber die Herausforderung, dass z. B. portugiesische Lieferanten Mindestbestellmengen von 300 Stück pro Style haben. Meine asiatischen Lieferanten sind da viel flexibler und produzieren kleinere Bestellmengen. Ich habe somit kleinere Lagermengen und sichere einen 100 %-Abverkauf meiner Ware – ohne große Sale-Aktionen, ohne Überschuss.

Du setzt vor allem auf natürliche Materialien wie Leinen und (Bio-) Baumwolle – was ist dazu deine Einstellung?

Susan: Ich liebe Kleidung aus Leinen. Sowohl für mich als auch für meine Kinder. Ich denke, viele Eltern sehen das so wie ich.

Die Leinenfaser ist glatt und das Leinengewebe schließt wenig Luft ein, so ist Leinen flusenfrei und wenig anfällig gegen Schmutz und Bakterien. Die Faser ist von Natur aus bakterizid, fast antistatisch und schmutzabweisend. Leinen nimmt bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit auf und tauscht diese Feuchtigkeit auch schnell mit der Umgebungsluft aus. Der Stoff wirkt somit kühlend, ist dennoch trocken wärmend. Deswegen wird das Gewebe gern für Sommerbekleidung eingesetzt. Die Leinenproduktion ist im Unterschied zur Baumwollproduktion auf viel weniger Chemikalieneinsatz wie Dünger und Pestizide angewiesen.

Bio-Baumwolle ist genetisch unverändert und bildet, im Gegensatz zur genmanipulierten Baumwolle, eigene Samen. Diese kann der Bauer für die nächste Aussaat nutzen und muss kein teures Saatgut kaufen. Der Anbau von Bio-Baumwolle benötigt ca. 90 % weniger Wasser als der von genveränderter Baumwolle. Zum einen enthält der Boden durch die im Bioanbau angewendete Fruchtfolge mehr organische Substanzen und kann somit mehr Wasser speichern. Zum anderen wird zur Bewässerung oft Regenwasser genutzt. Der Anbau von Bio-Baumwolle verbietet chemische Pestizide. Die Bewirtschaftung mit wechselnden Kulturpflanzen hält die Anzahl der Schädlinge gering. Die konventionelle Baumwolle wird dagegen bis zu 20-mal pro Saison mit unterschiedlichen Giften besprüht. Die Bio-Bauern erhalten höhere Erlöse und Löhne. Ihre Gesundheit wird durch das Verbot von Pestiziden geschont. Es sind also ganz wunderbare hautschonende Materialien für unsere Kinder.

In Anbetracht dieser Fakten macht es natürlich Sinn, auf diese Stoffe zu setzen. Es ist momentan aber schwierig, an Bio-Baumwolle heranzukommen. Der Markt verlangt zu Recht immer mehr danach, jedoch gibt es schlichtweg nicht genug Bio-Baumwolle für die Produktion.

Bei manchen Produkten steht „in Deutschland gefertigt“ und du wirbst damit, dass die Produkte fair gehandelt sind. Wo und wie produziert ihr die Kinderklamotten?

Susan: Mir ist es wichtig, Greenwashing zu vermeiden und transparent mit meinen Kunden zu kommunizieren. Von Deutschland über China und Indien begleiten mich kleine, aber feine Fertigungsbetriebe. Sie unterstützen meine Arbeit und verstehen meine hohen Anforderungen. Ich achte darauf, dass meine Kunden wissen, wo die Artikel hergestellt werden. Sie können es im Onlineshop auf der Produktseite und auf dem Waschetikett des Artikels nachlesen. Mein indischer Lieferant aus Tiruppur ist spezialisiert auf Bio-Baumwolle. Wir haben uns tatsächlich über Instagram kennengelernt und planen nun die nächsten gemeinsamen Styles. Mein chinesischer Lieferant aus Guangzhou ist ein absoluter Profi in der Verarbeitung von Leinen. Wir stehen in sehr engem Kontakt und er wird für mich wieder die nächste Leinenkollektion fertigen. Und ja, ich lasse auch Teile meiner Kollektion in Berlin und Hamburg nähen. Dies ist für mich eine besondere Zusammenarbeit. Muster sind innerhalb weniger Tage bei mir, ich kann spontan die Fertigungsbetriebe besuchen und die gleichen Zeitzonen machen dringende Absprachen etwas einfacher.

Was bedeutet für dich nachhaltiges Design?

Susan: Mir gefällt der Gedanke, dass lille havn.-Kleidungsstücke an kleinere Geschwister oder Freunde weitergegeben werden. Ich habe mich somit ganz bewusst für pures und zeitloses Design entschieden. Auch achte ich auf gute Kombinierbarkeit der Styles und dass die Kinder die Sachen sowohl im Alltag als auch zu festlichen Anlässen tragen können. Bestes Beispiel hierfür ist das Leinenhemd. Einige Kinder tragen es ganz entspannt im Sommerurlaub oder in der Kita, andere zum Schulanfang oder zur Taufe. Das finde ich so wunderbar.

Ein weiterer Schwerpunkt ist auf jeden Fall die hochwertige Verarbeitung. Durch meine langjährige Erfahrung in der Textilindustrie kann ich genaue Anforderungen an den Lieferanten stellen. So sieht das Kleidungsstück auch nach langer Tragezeit noch schön aus. Zusammengefasst bedeutet nachhaltiges Design für mich zeitloses Design, in hochqualitativer Verarbeitung und guter Kombinierbarkeit. Es geht vor allem darum, kurzlebige Wegwerfartikel zu vermeiden.

Du hast Textiltechnik studiert und lange für große internationale Firmen gearbeitet. Was nimmst du mit aus dieser Zeit? Was machen die großen Unternehmen, was du mit deiner Firma unbedingt anders machen möchtest?

Susan: Genau, ich habe Textil- und Ledertechnik studiert. Durch meine verschiedenen Anstellungen habe ich unwahrscheinlich viele Bereiche kennengelernt – von Bekleidungstechnik über Produktmanagement bis hin zum strategischen Einkauf. Neben meinen Geschäftsreisen in die Produktionsländer durfte ich in Sri Lanka die Produktionsseite noch besser kennenlernen. Ich habe vor Ort ein Jahr lang in einer Textilagentur gearbeitet und umfangreiches Wissen über die textile Verarbeitung erlangt. Diese Erfahrungen bedeuten mir sehr viel und spielen ganz klar eine wichtige Rolle in meiner neuen Funktion als Modelabelgründerin.

Aber was sich jetzt entscheidend geändert hat, ist, dass ich nun vor allem mit sehr kleinen Lieferanten zusammenarbeite. Mir ist es superwichtig, langjährige Geschäftspartner zu haben und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dabei ist natürlich eine faire Einkaufspreisgestaltung ein großer Faktor. In meiner Zeit als Angestellte habe ich teilweise Preise um einen Cent nachverhandeln müssen. Das kommt heute für mich absolut nicht mehr in Frage. Natürlich hinterfrage ich Preise und verhandele gegebenenfalls etwas nach. Aber im Grunde bekommen die Lieferanten ihren geforderten und fairen Preis.

Du hast lille havn. vor kurzem erst gegründet. Was ist deine Vision für die Zukunft?

Susan: Im Moment stehe ich noch ganz am Anfang. Viele Dinge wie z. B. die Buchhaltung oder die Pflege eines Shopsystems musste ich mir erst aneignen. Aber der Grundstein ist gelegt und nun versuche ich, in kleinen Schritten vorwärts zu kommen. Ich wünsche mir, dass lille havn. als Kindermodelabel seinen Platz im großen Markt findet. In einer hektischen und übertrieben bunten Welt stellt lille havn. mit seinen leisen und puren Designs einen Kontrast dar.

> Zum Kindermodelabel lille havn.

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