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Die Kraft der Sanduhr – Woher kommt das Extinction Rebellion Symbol?

Plötzlich war es da: Das grafisch stilisierte Symbol der Sanduhr in einem Kreis eroberte die weltweite Klimabewegung innerhalb von Monaten. Die Extinction-Rebellion-Bewegung machte es zur ihrem Markenzeichen. Und ihre radikalen, gewaltfreien Aktionen könnten nur der Anfang einer noch entstehenden, globalen Protestbewegung sein. Die klare Botschaft: uns läuft die Zeit davon. Die Symbolkraft ist nicht zu übersehen, und das simple Symbol hat sogar das Potential, eine ähnliche Strahlkraft und einen Bekanntheitsgrad zu bekommen wie das Friedenssymbol oder die Anti-Atom-Sonne. Wo kam dieses Symbol so plötzlich her, wofür steht es und wer oder was steckt dahinter?

Extinction Rebellion – Bewegung gegen Massensterben

Der gerade veröffentlichte UN-Bericht, der vor einem globalen Artensterben warnt, hat für das Thema weltweite Aufmerksamkeit geschaffen. Eine Million Pflanzen- und Tierarten sollen aktuell vom Aussterben bedroht sein. Schon länger warnen Umweltschützer vor einem „sechsten Massensterben“. Der Verlust von Ökosystemen und Arten könnte sogar gefährlichere Folgen haben als der Klimawandel selbst. Genau hier setzt die Extinction-Rebellion-Bewegung an und ruft in der Klimakrise zu gewaltfreiem, zivilem Ungehorsam auf um ein Massensterben vieler Tierarten zu verhindern. Die Aktionen und Plakate der Bewegung sind zum Teil sehr symbolkräftig und in Großbritannien hat die Bewegung bereits hohe Wellen geschlagen. Nachdem Aktivisten vor kurzem Kreuzungen, Parlamentsgebäude und die Londoner Börse besetzt hatten, gab es sogar direkte Gespräche mit der Regierung.

Bilder: Extinction Rebellion / Francesca Harris, Gareth Morris, Helena Smith, Anna Sherwin

Symbol der Extinction-Rebellion-Bewegung

Das Symbol der abstrahierten Sanduhr wurde im Herbst 2018 als offizielles Markenzeichen der Extinction-Rebellion-Bewegung (XR) aufgenommen und auf die Straßen Großbritanniens gebracht. Der schnell wachsenden, globalen und sozialen Bewegung für Klimaschutz hat das Symbol zusammen mit seinen Aktionen innerhalb von Monaten mediale Aufmerksamkeit auf der ganzen Welt verliehen. Dabei sind die Ursprünge und Bedeutungen des Symbols bis jetzt meistens unbeleuchtet geblieben. Es ist eine durchaus faszinierende Geschichte, vor allem wenn man sich dafür interessiert, welche Rolle Kunst, Design und Symbolik in der Nachhaltigkeitskommunikation spielen können.

Das „Extinction Symbol“ – Kreation des mysteriösen „Symbol Man“

Das „Extinction Symbol“ wurde 2011 zum ersten Mal von dem unter dem Pseudonym ESP arbeitenden Künstler aus London veröffentlicht. In London tauchte es danach immer öfter auf. Der Künstler fing an das Symbol über Twitter, auf Ausstellungen sowie auf den Straßen Londons zu verteilen und bekam immer mehr Zuspruch. Bis die Extinction-Rebellion-Bewegung das Symbol adoptierte, war das Symbol aber nur einer kleinen Szene bekannt. Der Künstler selber möchte anonym bleiben, auch bei der Extinction-Gruppe in London ist der Künstler nur als der mysteriöse „Symbol Man“ bekannt.

In einem bis jetzt exklusiven Interview mit Ecohustler enthüllt der Künstler einiges über seine Hintergründe, wie er als Künstler angefangen hat sich 2008 mit dem Thema Aussterben zu beschäftigen, und wie er mehr und mehr zum Schluss kam, dass dieses Thema zu groß für ihnwar und es ein einfaches Symbol brauchte, um leichter verbreitet zu werden. Er hatte sich damals intensiv mit alchemistischen Symbolen, Runen und politischen Symbolen auseinandergesetzt, bis er zufällig die Skizze der Sanduhr machte und das Gefühl bekam, dass dieses Symbol schon immer existiert hatte und nur darauf wartete, bis er es hierfür entdeckte.

Bilder: Extinction Rebellion / Francesca Harris, Gareth Morris, Helena Smith, Anna Sherwin, Max Richardson, Peter Forbes

Die Symbolik der Sanduhr

Schon die alten Alchemisten erkannten in der Sanduhr das Konzept des Gleichgewichts. Seine Form besteht aus zwei Dreiecken, die sich gegenseitig ausgleichen. Die Alchemisten interpretierten diese Dreiecke als zwei Aspekte der Natur: Das obere Dreieck steht für den Himmel, während das untere Dreieck für die Erde steht. Der Sanduhr symbolisiert damit auch die mystische, uralte Formel aus der „Tabula Smaragdina“ des Hermes Trismegistos: „Das was unten ist, ist wie das, was oben ist, und das was oben ist, ist wie das was unten ist, ein ewig dauerndes Wunder des Einen.” So gesehen kann das Symbol der Sanduhr auch als eine Art Yin-Yang-Symbol verstanden werden, mit zwei einander entgegengesetzten und dennoch aufeinander bezogenen Kräften oder Prinzipien: weiblich und männlich, Leben und Tod, schwarz und weiß.

Als Symbol der Zeit und der Unausweichlichkeit der Sterblichkeit hat das Sanduhr-Symbol auch einen etwas düsteren Beigeschmack; die Sanduhr wurde auch als Symbol auf Piratenflaggen benutzt, um zu zeigen, dass die Piraten nichts mehr zu verlieren haben und bereit sind, bis zum Tod zu kämpfen. Die Parallele mit der aktuellen Extinction-Rebellion-Bewegung ist interessant: die Aktivisten zeigen, dass uns die Zeit davon rennt, um noch etwas zu unternehmen um das Leben auf unserem Planeten zu retten, und dementsprechend werden die „Rebellen“ radikale Maßnahmen ergreifen, um ihre Ziele durchzusetzen.

X als Kreuz des Widerstands

Das Kreuz des Extinction Rebellion Symbols erinnert auch leicht an die Anti-Atom-Kreuze, die es immer noch überall im Wendland gibt, aus einer Zeit in der es massiven Widerstand gegen die Lagerung von Atommüll gab. Das X als zentrales Element des XR Symbols kommuniziert ein „Stop, nicht weiter so!“.

Die fast apokalyptische Botschaft und Symbolik der XR-Bewegung ruft sogar Assoziationen mit der Aktivistengruppe in dem Film „12 Monkeys“ des Filmemachers Terry Gilliam hervor. In dem Film kommt ein angeblich Irrer aus dem Jahr 2035, um die Menschheit vor einer Katastrophe zu beschützen, und verbindet sich mit eine Aktivistengruppe, die ihre Symbole mittels Plakaten und Sprühdosen verbreitet. Vielleicht braucht es tatsächlich jemanden aus dem Jahr 2035, bis wir endgültig verstehen: uns läuft die Zeit davon.

Plakate und Verbreitung des „Extinction Rebellion Symbols“

Auf der Webseite des „Extinction Symbols“ bietet der Künstler ESP das Symbol frei zur Verfügung an, stellt jedoch auch klar, dass dieses Symbol selbst nicht zur Konsumware werden darf. Im Moment haben schon etliche Designer und Künstler Plakate für die Bewegung entwickelt oder das Symbol verarbeitet . Und es hatte sogar schon seine Laufsteg-Premiere.

Eine Künstlergruppe der Bewegung kümmert sich darum, dass die richtige Bildsprache entsteht. Laut Dezeen, das mit einem der Künstler sprach, sind die Plakat-Entwürfe von der legendären Bewegung der Situationisten der 1960er Jahre inspiriert, in der eine Gruppe revolutionärer Künstler und Intellektueller eine Mischung aus anarchistischen und künstlerischen Aktionen zur Verbreitung ihrer antikapitalistischen Ideen nutzte.

Die Poster der XR-Bewegung verwenden einen ursprünglichenund vor einem hellen, farbigen Hintergrund gesetzten Schrifttyp, basierend auf einer alten Holzsorte. Tierknochen, Bienen und Augen sind wiederkehrende Motive, die die Bedrohung durch das Artensterben und die vorsätzliche Blindheit gegenüber der dringenden Bedrohung darstellen, die der Klimawandel für das Leben auf der Erde bedeutet.

4 Comments

  1. Aleister

    Über den satanistischen Hintergrund des Symbols ist bei der Recherche nichts aufgetaucht? Oder wurde bewusst übersehen? Einfach mal googeln… hochinteressant

  2. Hallo Lilli Green, in der Doku „TEN BILLION“ aus dem Jahr 2015 taucht das Extinction-Rebellion-Symbol in der 22. Minute nach einer minutenlangen und dramatischen Horror-Zukunfts-Show auf. Hauptakteur in der Doku ist der Chef-Wissenschaftler „Stephen Emmott“ von Microsoft als Leiter der Abteilung Computational Science (Wissenschaftliches Rechnen).
    Ten Billion: https://www.imdb.com/title/tt3403674/
    Emmott war von höchster Stelle in Microsoft damit beauftragt worden wissenschaftliche Modelle zu entwickeln, die es ermöglichen, die Überbevölkerung zu beweisen. Sie sollten als Rechfertigung herangezogen werden, Maßnahmen gegen die Überbevölkerung zu begründen oder zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Den Massenmord an Milliarden Menschen zu rechtfertigen.
    Die Story hinter solchen Rechtfertigungen ist recht simpel: Man stelle sich eine kleine Insel in der Karibik vor. Auf der Insel leben nur ein paar Menschen, die sich gesund davon ernähren können, was die Insel so hergibt. Nur ein verwirrter oder kindlicher Geist kommt auf die Idee, dass die Insel nicht noch mehr Menschen ernähren kann. Kann sie doch, denn es gibt das große weite Meer um die Insel herum, die unendlich viele Menschen ernähren kann. Aber der verwirrte oder kindliche Geist kommt dann auf die Idee ein paar Menschen der Insel zu ermorden, damit er überleben kann. Er ist nämlich viel zu eigennützig, mit den anderen teilen zu wollen.
    Daraus entwickelte Emmott zwischen 2013 und 2015 den Antrieb drei Bücher zu schreiben, die alle denselben Titel trugen: „Ten Billion“. Aufgezeichnet wurde sein Vortrag angeblich im Jahr 2012. Er kann aber auch früher stattgefunden haben. Das liegt doch sehr nahe dem ersten Erscheinungszeitraum des Symbols in der Öffentlichkeit durch den anonymen Künstler ESP. Produziert wurde die Doku von OXFORD FILMS. Veröffentlicht wurde sie im Jahr 2015.
    Nach eigenen Angaben soll Emmott viele Jahre damit verbracht haben, die Daten zusammenzutragen, die er dann für den Vortrag verwendet hat. Es gab aber sicher auch viele Datenerhebungen, die nicht in sein Weltbild gepasst haben können. Denn dann hätte er auch diese veröffentlicht. Da er dies nicht tat müssen wir davon ausgehen, dass er als Wissenschaftler nicht objektiv bei der Auswahl der Daten war.
    „Wess Brot ich ess, des Lied ich sing!“ Wenn Emmott durch Microsoft bezahlt wird, hat er dem Auftraggeber zu gehorchen. Sicher fäält ihm das nicht schwer, sonst wäre er nicht der Chef der Abteilung Wissenschaftliches Rechnen. Der Kopf von Microsoft ist bekanntlich Bill Gates, der Gründer von Microsoft. Ich schließe daraus, dass sich dieser Mann also Gates hinter Extinction-Rebellion im Verborgenen hält und die Fäden in seiner Hand hält.
    Eigentlich ist es ein total menschliches Ding, was Bill Gates plagen mag. Er hat sicher Angst davor, dass ihm zu viele Menschen auf den Leib rücken könnten. Was sich Anfangs vielleicht wie eine kleine Phobie ausgedrückt haben mag, kann im Lauf der Zeit zu einer ausgewachsenen Manie werden. Nur ein Mensch mit einer Abneigung gegen Menschen ist dazu fähig soetwas wie das Microsoft-Betriebssystem zu entwickeln. Indem er sich von den Menschen abwendet und in seiner eigenen Welt lebt. Die Welt da draußen erscheint dann zunehmend wie eine Bedrohung.
    Schade ist nur, dass solche Menschen ihre Ängste nicht dadurch in die Heilung bringen können, wenn sie die aus ihrer Sicht vermeintlich Schuldigen umbringen. Sie müssen es an sich selbst erkennen, dass sie einer selbst erzeugten Illusion aufgesessen sind. Anderenfalls sind sie es, die die Meschheit vernichten und nicht das Klima.

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