Design Materialien

Bio-Glas aus Muscheln

Muschelschalen sind eigentlich ein sehr robustes, kalkartiges Material, sie landen aber mancherorts einfach im Müll. Die Künstlerin Lulu Harrison entwickelte aus Muschelschalen aus der britischen Themse ein neuartiges, nachhaltiges Bio-Glas. Das Londoner Architekturstudio Bureau de Change hat nun aus diesem „Thames Glass“ gemusterte Fliesen hergestellt. Die Architekten wollten dabei herausfinden, ob dieses Biomaterial zur Herstellung einer umweltfreundlichen Gebäudeverkleidung verwendet werden könnte.

Quagga-Muscheln aus der Themse

Quagga-Muscheln sind eine invasive, nicht heimische Art von Muscheln in Großbritannien, die ursprünglich aus dem Mündungsgebiet des Schwarzen Meers stammen. Auch in Deutschland hat sich das zur Familie der Dreikantmuscheln gehörende Weichtier in den letzten Jahren rasch ausgebreitet und verdrängt dort heimische Muschelarten. In den Transfertunneln des Wasserversorgungsunternehmens Thames Water verursachen die Muscheln Verstopfungen. Die Quagga-Muscheln müssen dort kostspielig entfernt werden und landen normalerweise auf Mülldeponien.

In Kooperation mit Thames Water hat Lulu Harrison ein nachhaltiges Bio-Glas geschaffen, das einzigartig in London ist und aus den Schalen dieses natürlichen, aber lästigen Nebenprodukts der Themse besteht. Harrison stellt das Bio-Glas aus den zerkleinerten Schalen von Quagga-Muscheln in Kombination mit lokalem Sand und Abfallholzasche her.

Bilder: Bureau de Change

Experimente mit Muschelglas

Lulu Harrison ist eine Studentin im zweiten Jahr des Material Futures Masters am Londoner Central Saint Martin’s, einem extra auf die Entwicklung zukunftsfähiger Materialien spezialisierten Studiengang. Bereits im ersten Studienjahr hat Harrison angefangen, Materialien aus Muscheln zu erforschen und die einzigartigen Rezepte für die Erstellung von Bio-Glas aus Muscheln zu entwickeln. Die junge Künstlerin variierte bei ihren Experimenten die Menge an Muschelschalen, um zu sehen, welche Auswirkungen dies auf die Farbe und Textur des Glases hat.

Während dieses Prozesses hat sie mit Glasmeistern in Großbritannien und Italien sowie mit Professoren für Glasarchäologie und mit dem Wasserversorgungsunternehmen Thames Water zusammengearbeitet. Auch setzte Harrison sich mit einer lokalen Fischergemeinschaft in Cornwall auseinander, wobei sie auch mit den Muscheln aus der dortigen Fischerei arbeitete.

Bureau de Change macht Gussglasfliesen aus dem Bio-Glas

Katerina Dionysopoulou und Billy Mavropoulos vom kreativen Architekturstudio Bureau de Change sehen Designpotenzial in der Entwicklung von Gussglasfliesen aus dem Bio-Glas. Die filigranen Muster der Glasfliesen basieren auf den Mustern der Verzierungen von Terrakotta-Schornsteinen im London des 19. Jahrhunderts. Diese wurden von Royal Doulton hergestellt, der damals auch die Wasserleitungen für das Abwassersystem herstellte. Für die Herstellung der Glasfliesen wurde eine traditionelle Herstellungstechnik des Glasgießens verwendet. Das Material wurde während der London Craft Week in der Ausstellung „Beautility: How Fusing Beauty and Function Can Change the World“ präsentiert.

Bilder: Bureau de Change

Neue Materialien aus Gewässer- und Meeresabfällen

Die Herstellung von Glas aus Muscheln ist ein gelungenes Beispiel von Circular Design. Die Muscheln würden sonst auf dem Müll landen, jetzt finden sie Verwendung als Rohstoff für ein hochwertiges Designmaterial. Das wachsende Interesse an Abfallmaterialien aus Gewässern und Meeren hat bereits viele Designer und Unternehmen dazu gebracht, neue Materialien zu entwickeln. Sehr viel Aufmerksamkeit bekamen in den letzten Jahren Produkte aus Meeresplastik.

Es gibt auch weniger bekannte Beispiele für nachhaltige Produkte aus Gewässer- und Meeresrohstoffen. Wir berichteten bereits über eine Designerin, die eine Seifenmühle aus alten Fischernetzen herstellte. Eine andere Designerin entwickelte mit Marinatex einen Biokunststoff aus Fischabfällen und Algen. Algen sind sowieso ein beliebter Öko-Rohstoff für allerlei Designprodukte von Mode aus Algen bis hin zu Verpackungen aus Algen. Es gibt immer mehr nachhaltige Materialien, die ohne Erdöl und andere umweltbelastende und endliche Rohstoffe auskommen. Es ist an der Zeit, dass diese Materialien auch zum Mainstream werden können.

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