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Ökologisch Wohnen – wie nachhaltig sind Tiny Houses wirklich?

Wohnraum wird knapp, und das nicht nur in Städten wie Berlin. Als Folge, und weil immer mehr Menschen ökologisch wohnen möchten, liegen Tiny Houses im Trend. Die Minihäuser versprechen Unabhängigkeit und einen kleinen ökologischen Fußabdruck, doch wie nachhaltig ist das Leben im Minihaus wirklich?

Warum sind Tiny Houses überhaupt nachhaltig?

Grundsätzlich gilt: Je weniger Wohnfläche jemand bewohnt, desto geringer sind die CO2-Emissionen, die beim Heizen oder bei der Instandhaltung entstehen. Im Schnitt liegt der Wohnraum pro Kopf in Deutschland bei 42,7 Quadratmetern. Tiny Houses hingegen sind kompakt gebaut, beschränken sich auf das Wesentliche und nutzen vorhandenen Platz effizient. Dadurch haben die meisten Tiny Houses eine Wohnfläche von unter 20 Quadratmetern – ohne dass etwas fehlt, das man zu einem komfortablen Leben braucht.

Statt großer Küchen gibt es Kochnischen, Bäder mit Dusche oder eine zweite Ebene zum Schlafen. Zusätzlich sind viele Tiny Houses mit Solarzellen ausgestattet, um selbst Strom zu erzeugen. Komposttoiletten, eine interne Wasseraufbereitung, nachhaltige Baustoffe und wenig Platzbedarf – ein Minihaus macht prinzipiell schon mal ganz schön viel richtig. Manche Hersteller wie das österreichische Start-up Wohnwagon bauen Tiny Houses aus natürlichen Materialien, die sogar völlig autark sind.

Ökologisch Wohnen: Auf die Bauweise kommt es an!

Trotzdem ist nicht jedes Minihaus auch ökologisch. Auch wenn oft nachhaltige Baumaterialien zum Einsatz kommen, ist das längst nicht immer der Fall. Neben den Baustoffen selbst – nachhaltig sind etwa Holz, Ton, Lehm, Kork und Kalk – sollten auch natürliche und nachhaltige Dämmmaterialien verwendet werden, etwa Seegras oder Zellulose. Diese Materialien sind zwar teurer als herkömmliche Baustoffe, was aber durch die geringere Größe des Hauses wieder ausgeglichen werden kann. Außerdem ist nachher weniger Energieaufwand beim Heizen nötig. Doch das gilt nur dann, wenn das Haus auch wirklich ordentlich gedämmt ist. Manche Hersteller sparen gerade an der Dämmung, damit die Wände dünner werden und sich das Tiny House besser transportieren lässt. Wer also im Minihaus ökologisch wohnen möchte, sollte sich vorher genau informieren.

Bilder: Wohnwagon Frieda Berlin (c) Carolina Revertera

Doch obwohl immer mehr Menschen ökologisch wohnen wollen, können sich viele vermutlich nicht vorstellen, dauerhaft auf 20 Quadratmetern (oder weniger) zu leben. Tiny Houses werden stattdessen gerade zur beliebten Urlaubsunterkunft – sei es im Brückenhäuschen in Amsterdam oder auf dem Wikkelboot in Rotterdam. Auch das eiförmige, autarke Minihaus Ecocapsule dürfte nur etwas für Abenteuertouristen oder Campingurlauber sein. Aber auch wenn solche Unterkünfte erstmal kein Ersatz für die eigene Wohnung sind, sind sie dennoch gut, um ein Leben im Minihaus zu testen.

Taugen Tiny Houses als nachhaltiges Wohnkonzept in der Stadt?

Doch sind Tiny Houses überhaupt ein realistisches Wohnkonzept für immer vollere Städte? Der Architekt Van Bo Le-Mentzel hat als Designer ausführlich Tiny House-Konzepte getestet und wirkt am Bauhaus Campus Berlin mit. Dort stellt ein temporäres Dorf aus Mini-Häusern neue Wohnkonzepte zur Diskussion. Van Bo Le-Mentzel hat Lilli Green seine Stadtutopie mit Tiny Houses so erklärt: „Tiny Houses brauchen keine Baugenehmigung, weil sie auf einem Autoanhänger stehen und den Boden nicht berühren. Tiny Houses könnten die ersten Prototypen einer Stadtutopie sein, in der Grundbedürfnisse von Grundstücken entkoppelt werden. Tiny Houses sind der Beginn eines ‚Bedingungslosen Grundwohnen‘, wo Existenzfragen von Kapitalfragen getrennt werden.”

Doch die Grundidee – man lässt seine Wohnung hinter sich und stellt sich irgendwo ein Haus ins Grüne – lässt sich in Deutschland auch dann nicht umsetzen, wenn man ein Grundstück besitzt. Denn als offizieller Wohnsitz ist in Deutschland nur eine Wohnung zulässig. Van Bo Le-Mentzel sieht Minihäuser auf Anhängern in der Stadt ohnehin nicht als Alternative zum normalen Wohnen, sondern eher als Ergänzung. Vielmehr könnten die mobilen Minihäuser als Räume für Nachhilfe dienen, für Kinderbetreuung oder für Konzepte wie Food Sharing.

Fazit: Minihäuser haben Potenzial. Sie schaffen das Bewusstsein für nachhaltige Wohnkonzepte und stellen die Frage, wie viel Platz wir eigentlich zum Leben brauchen und wie wir nachhaltig leben können. Richtig geplant sind sie eine ökologische Wohnform – und wenn es erstmal nur im Urlaub ist.

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