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Blaue Hände aus Netzresten von Kianoosh Gerami – ein Hilferuf für die Meere

Der Künstler Kianoosh Gerami hat mit dem Kunstwerk „Pluis“ eine eindringliche Botschaft gegen Plastikmüll im Meer erschaffen. Die blauen Hände aus Fischerei-Netzresten sind wie ein Hilferuf für die Meere und zeigen gleichzeitig, dass die Zukunft der Meere in unseren Händen liegt. Das Projekt wurde in Auftrag gegeben von der Stiftung Centree aus Zierikzee und wurde von dem iranischen Künstler Kianoosh Gerami umgesetzt. Lilli Green führte mit ihm ein Interview über das Kunstwerk und das Problem von Geisternetzen und Netzresten im Meer.

Geisternetze sind ausgediente Fischernetze im Meer aus synthetischen Stoffen wie Polypropylen oder Nylon. Viele der Netze landen im Meer, durch Stürme und Unfälle oder auch, weil sie illegal im Meer entsorgt werden. Sie machen einen erheblichen Anteil des Plastiks im Meer aus und es kann 600 Jahre dauern, bis die Netze sich im Wasser aufgelöst haben. Die ausgedienten Netze im Meer fallen langsam auseinander, was übrig bleibt, ist erst mal ein verheerendes Wirrwarr aus Plastikfäden. Die Geisternetze stellen eine erhebliche Gefahr für die Meeresbewohner und Vögel dar, außerdem landen die aufgelösten Netzteile als Plastikmüll und dann als Mikroplastik im Ozean. Umweltorganisationen warnen vor den verheerenden Langzeitfolgen der Netzreste.

Die meiste Plastikteile, die an der niederländische Küste angespült werden, sind bunte Kunststofffäden, die sich aus Fischereinetzen herausgelöst haben. In den Niederlanden gibt es für diese Netzreste aus dem Meer ein besonderes Wort: „Vispluis“, auf Englisch: „Dolly Ropes“. Die bunten Kunststoffteile dienen als Scheuerschutz bei den Fischernetzen und landen meist im Meer. Das Kunstwerk „Pluis“ von Kianoosh Gerame wurde aus solchen blauen Netzresten hergestellt, um auf das Umweltproblem aufmerksam zu machen.

Interview mit Kianoosh Gerami

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Hände aus Netzreste zu machen?

Die Priorität dieses Projekts ist es, allen das Ausmaß des Netzresteproblems aufzuzeigen! Meiner Meinung nach musste das Kunstwerk auffallen und sofort Eindruck machen. Als ich anfing, in meinem Atelier mit einem Haufen aus entlang der Küste gefunden Netzresten zu arbeiten, dachte ich: „Wir Menschen verursachen dieses Problem mit unseren eigenen Händen in der Natur. Wir können dieses Problem nur lösen, wenn wir uns zusammentun und hart daran arbeiten, also liegt die Antwort in unseren Händen!

Ich war schon immer fasziniert von der Form der Hände und benutze die Hand oft in meinen Kunstwerken. Ich habe eine Präsentation mit drei verschiedenen Ideen gemacht und der Vorstand der Centree-Stiftung hat sich für diese Idee entschieden. Das Kunstwerk zeigt drei Hände, die nach oben zeigen und um Hilfe bitten. Die Hände haben eine Höhe von etwa drei Metern.

Was ist das Problem von dieser Art von Netzresten?

Die Kunststofffäden stammen von Fischernetzen und dienen dazu, diese vor dem Grund zu schützen. Allerdings verschleißen die Plastikfäden sehr schnell, wodurch jedes Jahr 50.000–100.000 Kilo Plastik in die Nordsee gelangen!

Es gibt gerade viel Aufmerksamkeit für Plastikmüll im Meer, aber die blauen Drähte sind viel weniger sichtbar. Sobald Sie die Plastikfäden aus Fischereinetzen einmal gesehen haben, werden Sie feststellen, dass es entlang der Küste Hunderte von diesen Plastikschnüren gibt, die sich oft in Algen verfangen. Laut Zählungen der niederländischen Nordseestiftung nicht weniger als 1 Faden oder Knäuel pro Meter Strand, was ihn zum am meisten angespülten Müll an der niederländischen Küste macht. Und wie viele Fäden schwimmen noch im Meer oder stecken schon in den Mägen von Fischen und Vögeln?

(c) Bilder via Kianoosh Gerami

Wie haben Sie die Netzreste bekommen?

Für dieses Kunstwerk haben wir uns dafür entschieden, nur die Netzreste zu verwenden, die entlang der niederländischen Nordseeküste angespült worden sind. Aus diesem Grund wurde eine Reihe von Sammelaktionen organisiert: Wir haben alle Organisationen in den Niederlanden, die an Aufräumaktionen entlang der Strände beteiligt waren, gebeten, alle gefundenen blauen Flusen zu sammeln und an uns zu senden.

Was drücken die Hände aus?

Die Hände symbolisieren hilfesuchende Hände der Meere und Ozeane, die aus dem Wasser kommen und uns um Hilfe bitten.

Inwiefern ist „Pluis“ repräsentativ für Ihre künstlerische Arbeit?

Einerseits die Statik der Form und der Kontrast der Umgebung mit der blauen Farbe des Materials. Auf der anderen Seite die Botschaft, die ich der Öffentlichkeit zu vermitteln versuche. Die Arbeit stellt meine Vision vom Umgang des Menschen mit der Natur dar und sagt etwas darüber aus, wie ich als Künstler und als Mensch bin.Pluis - Kunstwerk aus Geisternetze und Netzresten

Wie sind Sie darauf gekommen, mit diesen Netzresten zu arbeiten?

Die Stiftung Centree suchte einen Künstler für ein Kunstwerk aus Netzresten. Ich wurde von Erik van Uffelen von der Stiftung Centree gefragt. Sie kannten meine Arbeit, weil ich zuvor auch an einem nachhaltigen und umweltfreundlichen Projekt namens „Pleingoed Project“ beteiligt war, einem temporären Pavillon aus kreisförmigem Material für eine Ausstellung über Unterwasserfotografie. Außerdem arbeitete ich als Grafikdesigner und Standfotograf für den Dokumentarfilm „Sustainable Islands“ von Eef de Graaf. In diesem Dokumentarfilm ging es um die Notwendigkeit des Übergangs zu nachhaltiger Energie, Nahrungsmittelproduktion und einer nachhaltigen Lebensweise. Der Dokumentarfilm „Sustainable Islands“ wird im Oktober 2021 im niederländischen Pavillon auf der World Expo Dutch Dubai gezeigt.

Hat dieses Projekt zu neuen Initiativen oder Ideen geführt?

Eric van Uffelen ist eine der Schlüsselfiguren in diesem Projekt, wir versuchen, eine Ausstellungstour entlang der verschiedenen Küstenprovinzen in den Niederlanden zu organisieren, um zu zeigen, was los ist und die Regierung davon zu überzeugen, dieses Flusen- und Plastikproblem in der Natur schnell anzugehen.

Ich arbeite jetzt an einer Reihe von 3D-gedruckten Kleinskulpturen aus Plastikmüll und recyceltem Material.

 Kianoosh Gerami / Studio EKStichting Centree

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